Unter dem Vorsitz von Ministerpräsident Briand trat das französische Kabinett am Donnerstagvormittag im Pariser Außenministerium zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.[1][2] Den Hauptgegenstand der Beratungen bildete der beunruhigende Sturz des französischen Franken. Zu diesen Beratungen war Finanzminister Raoul Péret eigens aus der Provinz zurückgerufen worden.[2] Nach einer knappen amtlichen Verlautbarung beschloss die Regierung sofortige Maßnahmen, um der Lage Herr zu werden.[1]

Finanzminister Péret bemühte sich im Anschluss an die Kabinettssitzung um Beruhigung der Öffentlichkeit.[1] Er erklärte, dass die staatlichen Finanzen keinerlei Anlass zur Sorge gäben und die Steuereinnahmen regelmäßig flössen.[1][3] Nach einstimmiger Auffassung der Minister sei die plötzliche Hausse der englischen und amerikanischen Devisen primär auf auswärtige Einflüsse zurückzuführen.[1][3] Man ist in Regierungskreisen der Ansicht, dass englische Banken im Zuge des dortigen Generalstreiks massiv Pfund und Dollar aufkaufen und dafür in großem Stil französische Franken abstoßen.[1][3] Die französische Seite hegt den Verdacht, England verteidige seinen Goldstandard rücksichtslos auf Kosten der Pariser Währung, was in der Hauptstadt bereits zu einer spürbaren politischen Verstimmung geführt hat.[1]

Die amtlichen Beschwichtigungsversuche dürften jedoch kaum ausreichen, um das tief erschütterte Vertrauen des Publikums wiederherzustellen.[1] Längst hat im Pariser Alltag eine beispiellose Flucht in die fremden Devisen eingesetzt.[4] Die Badische Presse veranschaulicht die grassierende Nervosität mit der Beobachtung, dass sich sogar Kellner in den Restaurants an ausländische Gäste wenden, um private Devisenbestände zu ergattern.[4] Zudem gerät das französische Staatsbudget ernsthaft in Gefahr.[4] Da der Haushalt auf einem Kurs von 130 Franken für das englische Pfund basierte, nun aber Notierungen von 136 erreicht werden, ist das finanzielle Gleichgewicht gestört.[4] Etwaige unvorhergesehene Ausgaben für erneute militärische Aktionen in Marokko könnten die Lage weiter verschärfen.[4]

In der einheimischen Presse wird derweil scharfe Kritik an der Währungspolitik geübt.[2] Der Figaro beklagt offen, dass Frankreich im Gegensatz zu Italien keine ausreichenden Vorkehrungen auf dem Devisenmarkt getroffen habe, als sich die wirtschaftlichen Unruhen jenseits des Ärmelkanals abzeichneten.[2] Das Blatt fordert nachdrücklich eine Politik des teuren Geldes und eine deutliche Erhöhung der Zinssätze für Schatzanweisungen, um den Franken abzusichern.[2]

Viele Beobachter blicken daher hoffnungsvoll nach den Vereinigten Staaten, denn ein massiver amerikanischer Kredit könnte eine Abwertung der auswärtigen Devisen zum Franc bewirken.[4] Eine solche transatlantische Hilfeleistung ist allerdings daran gebunden, dass die französischen Kammern das umstrittene Schuldenabkommen mit Washington ratifizieren.[4] Nach Berichten aus dem Parlament löst diese Aussicht bei den Mehrheitsparteien derzeit jedoch wenig Begeisterung aus.[4]