Die fortlaufenden Untersuchungen der jüngsten Bandenkriege in der amerikanischen Metropole haben zu weiteren juristischen Schritten geführt. Wie die Washington Post berichtet, hat das speziell eingesetzte Geschworenengericht vier neue Anklagen erhoben.[1] Damit erhöht sich die Zahl der seit gestern erlassenen Haftbefehle auf insgesamt vierzehn.[1] Die weitreichende Untersuchung war vor einer Woche eingeleitet worden, nachdem der stellvertretende Staatsanwalt W. H. McSwiggin gemeinsam mit zwei Begleitern auf offener Straße erschossen worden war.[1]

Acht der Angeklagten müssen sich wegen schwerer Verstöße gegen die Prohibitionsgesetze verantworten.[1] Es handelt sich ausnahmslos um Eigentümer von Schankwirtschaften, die im Zentrum des sogenannten ‚Bier-Alkohol-Krieges‘ stehen.[1] Gegen die Beschuldigten wurde eine Kaution von jeweils 5.000 Dollar festgesetzt.[1] Drei dieser Lokale waren seit Januar dieses Jahres bereits Schauplätze blutiger Auseinandersetzungen. Ein weiteres wurde im Februar mit Maschinengewehrfeuer beschossen.[1] Während die Anklagen vor Gericht formuliert wurden, vernahm die Untersuchungskommission des Gerichtsmediziners Zeugen zum Dreifachmord an McSwiggin und vertagte sich anschließend zur Vorladung weiterer Personen.[1]

Im Rahmen der Anhörungen trat auch Edward O’Donnell vor die Geschworenen.[1] Der mutmaßliche Bierschmuggler erschien mit einem Beutel voller Schrotkugeln vor der Brust; diese waren bei verschiedenen Attentatsversuchen auf ihn abgefeuert worden.[1] Er bestritt jede Verbindung zu Major M. A. Messlein, dessen Ingenieursgesellschaft laut dem Generalstaatsanwalt von Illinois, Oscar Carlstrom, als illegale Vermittlungsstelle für Haftentlassungen fungiert haben soll.[1] Messleins Anwalt wies die Vorwürfe einer derartigen Begnadigungsmaschinerie entschieden zurück und betonte, sein Mandant widme sich seit Jahrzehnten uneigennützig der Fürsorge für ehemalige Sträflinge.[1]

Dass die Lage auf den Straßen der Stadt angespannt bleibt, zeigt ein grausiger Fund: Die Polizei barg aus dem Calumet-Kanal die Leiche eines weiteren mutmaßlichen Opfers des Bandenkrieges. Der Tote wies zwei Schusswunden auf.[1]