Ein weithin sichtbares Zeichen des Unmuts über die amerikanische Alkoholgesetzgebung hat in New York für Aufsehen gesorgt. Laut der Washington Post wurde die Freiheitsstatue im New Yorker Hafen mit schwarzem Trauerflor verhüllt.[1] Die ungewöhnliche Aktion richte sich als offener Protest gegen die Prohibition und das umstrittene Volstead-Gesetz.[1] Hinter dem Vorfall stehen demnach drei Männer, die als Mitglieder einer Liga von Weltkriegsveteranen für leichten Wein und Bier identifiziert wurden.[1]
Während der Widerstand gegen die sogenannte Trockenlegung in den Vereinigten Staaten immer dramatischere Formen annimmt, ist das Scheitern der amerikanischen Politik Gegenstand intensiver Diskussionen in der hiesigen Debatte. Die Kölnische Zeitung berichtet ausführlich über die parlamentarischen Auseinandersetzungen um den neuen Schankstättengesetzentwurf.[2] Im Zentrum der Kritik steht dabei das von der Sozialdemokratie geforderte Gemeindebestimmungsrecht, das lokale Verkaufsverbote für geistige Getränke ermöglichen würde.[2]
Für die Deutsche Volkspartei stellt diese lokale Verbotsmöglichkeit lediglich den ersten Schritt auf dem Weg zur totalen Prohibition dar.[2] Wie ein Fraktionssprecher darlegte, ließen die Äußerungen namhafter Vertreter der deutschen Antialkoholbewegung keinen Zweifel an diesem Endziel.[2] Der Redner wies den Vorwurf einer angeblichen Zunahme des Alkoholverbrauchs in Deutschland als maßlose Übertreibung zurück und legte dem Haus entsprechende Unterlagen vor.[2] Er verwies nachdrücklich auf die katastrophalen Auswüchse in Übersee — Warnungen, die durch offizielle amerikanische Zahlen gestützt werden.[2] Nach Schätzungen des Chefs der amerikanischen Prohibitionspolizei existieren in den Vereinigten Staaten zurzeit nicht weniger als 1,72 Millionen Geheimbrennereien, während 40 bis 50 Millionen Einwohner das Gesetz fortwährend brechen.[2]
Ein Gemeindebestimmungsrecht müsse laut der Volkspartei in seiner letzten Auswirkung in Deutschland zu einer Verwaltungsanarchie führen.[2] Überdies erblickt die Fraktion in den sozialdemokratischen Bestrebungen den Versuch einer schleichenden Sozialisierung eines bedeutenden Gewerbestandes.[2] Ein solches Vorgehen greife die persönliche Freiheit des Staatsbürgers in ungeheuerlicher Weise an.[2] Dennoch verkenne die Partei nicht die verbliebenen Gefahren, die trotz des erfreulichen Rückgangs im Alkoholverbrauch weiter bestehen.[2] Zur Bekämpfung des Missbrauchs und zum Schutz der Jugend werde man scharfe Maßnahmen jederzeit unterstützen.[2] Auch einer zweckmäßigen Neuordnung des Konzessionswesens im Gastgewerbe werde man zustimmen, sofern diese nicht als Vorwand für ein allgemeines Verbot missbraucht werde.[2]