Die politische Lage im Fernen Osten bleibt äußerst gespannt. Wie das Berliner Tageblatt aus Peking meldet, bleiben größere Kriegshandlungen in China derzeit zwar aus, jedoch finden allseitig starke Truppenbewegungen statt.[1] Die politische Situation in der chinesischen Hauptstadt ist unverändert und weiterhin ungeklärt.[1]
Im Zentrum des Konflikts steht der Antagonismus zwischen den führenden Militärmachthabern Tschangtsolin (Zhang Zuolin) und Wupeifu (Wu Peifu).[1] Der Streit entzündet sich namentlich an der Frage, wie die nationale Konstitution wiederhergestellt werden soll.[1] Trotz dieses schwelenden Konflikts verhandeln beide Kriegsherren getrennt mit der Nationalarmee, der Kuomintschun (Guominjun).[1] Hinter den Kulissen wird intensiv um die politische Führung in der Zentralregierung gerungen. Nach Angaben der Prawda lanciert die Mukden-Fraktion unter Tschangtsolin einen eigenen Kandidaten für den Posten des Premierministers in Peking und strebt damit eine Absicherung ihrer Vormachtstellung an.[2]
Besondere Sorge bereitet den Beobachtern die Haltung des Kriegsherrn Sun-tschuansang (Sun Chuanfang).[1] Seine Absichten werden argwöhnisch betrachtet. Im Falle eines bewaffneten Einrückens in die Provinz Schantung (Shandong) könnte er auf die Unterstützung der dortigen regionalen Geheimbünde zählen.[1] Diese schwer fassbaren Organisationen erinnern viele Beobachter an die Bewegung der Boxer.[1] Ihre Mitglieder üben sich in ähnlichen athletischen Disziplinen, tragen schützende Amulette und verweigern den Machthabern beharrlich die Zahlung der Steuern.[1]