Die anhaltende Krise der Junkers-Flugzeugwerke in Dessau zieht immer weitere Kreise und zwingt nun die Regierung zu einer offiziellen Stellungnahme. Das Reichsverkehrsministerium hat eine Erklärung veröffentlicht, um einem angeblich völlig falschen Bild der tatsächlichen Verhältnisse in der Öffentlichkeit entgegenzutreten.[1] Der Badischen Presse zufolge greift diese Mitteilung jedoch zu kurz und verschweigt die wahren Hintergründe des Konflikts.[1]

Im Kern geht es darum, dass der erhebliche finanzielle Aufwand des Unternehmens mit den vorliegenden Aufträgen in Einklang gebracht werden muss.[1] Die Regierung vertritt den Standpunkt, angesichts der angespannten Reichsfinanzen sei es nicht zu verantworten, ein großes Werk aus öffentlichen Mitteln zu unterhalten, wenn dieses lediglich auf Vorrat produziert.[1] Dennoch müsse sichergestellt werden, dass die Entwicklung moderner Flugzeuge und Motoren für die Zukunft erhalten bleibt. Ebenso solle gewährleistet werden, dass das Werk auf größere Lieferaufträge vorbereitet ist.[1]

Besonderes Aufsehen erregte zuletzt die Rolle des Treuhänders für die Junkersaktien des Reiches. Das Ministerium betont, dass Generaldirektor Eck ausschließlich wegen seiner persönlichen Eignung und seiner früheren Tätigkeit als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Junkerswerke ausgewählt wurde.[1] Seine Funktion als Direktor der Kontinentalen Gasgesellschaft in Dessau habe dabei keine Bedeutung.[1] Ein angeblicher englischer Kapitaleinfluss auf seine Tätigkeit als Treuhänder sei daher ohne Belang.[1] Ferner stellt die Behörde klar, dass der Präsident des Reichsgerichts nicht als Schiedsrichter in wirtschaftlichen Differenzen tätig ist.[1] Er sei lediglich gebeten worden, sich in einigen offenen Fragen gutachtlich zu äußern.[1]

Die Unternehmensführung widerspricht dieser Darstellung. Laut einem Bericht der Telegrafen-Union hat die angegriffene Minderheit um Hugo Junkers eine Gegenerklärung veröffentlicht.[1] Darin wird hervorgehoben, dass die Junkers-Flugzeugwerke niemals Reichszuschüsse benötigt hätten, bevor sie das aktuelle Vertragsverhältnis mit dem Reich eingingen.[1] Auch in der gegenwärtigen Lage fordere Junkers keinerlei Subventionierung.[1] Beobachter der Badischen Presse warnen vor einem internationalen Skandal, falls der Dessauer Flugzeugpionier gezwungen würde, die gesamten Hintergründe offen zu legen.[1]