Der Film Panzerkreuzer Potemkin ist in Berlin angelaufen und hat in der Reichshauptstadt sogleich heftige emotionale und politische Reaktionen ausgelöst.[1] Wie das Hamburger Echo berichtet, versetzt das Werk alle, die „menschlich und darum revolutionär“ fühlen, in Begeisterung und politische Erregung, während reaktionäre Kreise vor Entrüstung toben.[1] Die Kontroverse um den Film reicht bis in höchste Regierungskreise: Das Reichswehrministerium hat den Soldaten der Reichswehr den Besuch der Vorstellungen untersagt.[1] Dennoch sahen weder der Polizeipräsident noch der preußische Innenminister Anlass, den Film wegen einer möglichen Gefährdung der öffentlichen Ordnung zu verbieten.[1]

Die Vorführung in Deutschland ist der Oberprüfstelle unter der Leitung von Dr. Alfred Kerr zu verdanken. Diese gab den Film gegen den Willen der Filmprüfstelle frei.[1]

Das Hamburger Echo feiert den ersten in Berlin gezeigten Sowjetfilm enthusiastisch als das Größte, was die Filmkunst bislang hervorgebracht habe.[1] „Dieser Film ist Weltanschauung!“, heißt es in der Besprechung, die einräumt, für dieses Werk „alle Lubitschs, Ufas, Conrad Veidts der Welt“ herzugeben.[1]

Der Film schildert eine wahre Begebenheit aus der russischen Revolution von 1905.[1] Die Mannschaften des Kriegsschiffes verweigern den Verzehr von Fleisch, das von Maden durchsetzt ist. Der Schiffsarzt tut diese als Fliegenlarven ab.[1] Als der Kommandant befiehlt, die Verweigerer unter einem Segeltuch von ihren eigenen Kameraden erschießen zu lassen—eine Szene, in der ein christlicher Pope bereits sein Kruzifix zückt—kommt es zur Meuterei.[1] Die Mannschaften schießen nicht, besiegen die Offiziere und laufen Odessa an, wo es zu einem fürchterlichen Gemetzel durch Kosaken kommt.[1] Schließlich durchbricht der Panzerkreuzer unbehelligt die Admiralitätsflotte. Deren Matrosen verbrüdern sich im letzten Augenblick mit den Meuterern.[1] Diese, nach Akten des zaristischen Staatsarchivs von Moskauer Künstlern verfilmte, Geschichte wecke Gefühle, wie sie zur Kriegszeit nur Dichtungen von Henri Barbusse oder Leonhard Frank hervorgerufen hätten.[1]