Der erste südbayerische Reichsbannertag in Augsburg entwickelte sich am Wochenende zu einer machtvollen Kundgebung der verfassungstreuen Parteien.[1] Wie das Berliner Tageblatt berichtet, erbrachte die Versammlung den Beweis, dass der Gedanke der deutschen Republik auch im Süden des Reiches festen Fuß gefasst hat.[1] Rund sechstausend bis siebentausend Mitglieder waren aus ganz Südbayern, insbesondere aus München und Nürnberg, sowie aus Ulm und dem württembergischen Oberland angereist.[1]

Besondere Beachtung fand am Begrüßungsabend die Ansprache des Generals von Deimling.[1] Er führte aus, dass das alte System vom Geiste der Demokratie rasch hinweggefegt würde, sollte es jemals wiederkehren.[1] Wer im Schützengraben das gleiche Recht zu sterben gehabt habe, dem müsse nun auch das gleiche Recht zu leben eingeräumt werden.[1] Scharf griff er jene „Säbelrassler“ an, die den Krieg unentwegt mit dem Mundwerk fortsetzten.[1] Als einziges Mittel für den Frieden bezeichnete von Deimling den Völkerbund.[1] Den sogenannten Flaggenüberfall der Regierung Luther-Stresemann nannte er als mit der Verfassung unvereinbar.[1] Unter stürmischem Beifall forderte der General, dass der verantwortliche Reichskanzler von der Bildfläche verschwinden müsse.[1]

Die Erregung der Republikaner erklärt sich durch das umstrittene Vorgehen der Regierung. Die jüngste Verordnung über die deutsche Flagge, welche auf ein Schreiben des Reichspräsidenten von Hindenburg zurückgeht, hat im ganzen Land erhebliches Misstrauen geweckt.[2] Dem Westfälischen Merkur zufolge verschärft das Vorgehen des Kanzlers Luther, der den Reichstag bei dieser Frage eigenmächtig ausschaltete, die innenpolitischen Gegensätze erheblich.[3]

In der nachmittägigen Veranstaltung in der Sängerhalle griff der erste Bundesvorsitzende des Reichsbanners, Oberpräsident Hörsing aus Magdeburg, diese Stimmung auf.[1] Das Reichsbanner sei zum Schutz gegen Bestrebungen nach Reaktion und Diktatur gegründet worden. Es bilde das Sammelbecken für jene Kräfte, die die Säulen der Verfassung darstellen.[1] Zur Flaggenfrage bemerkte Hörsing abschließend, dass sich die Reichsregierung mit ihrem Vorgehen vor der ganzen Welt blamiert habe.[1]