Die Führung der Sowjetunion hat eine umfassende Kampagne zur radikalen Kostensenkung in der staatlichen Industrie eingeleitet. Wie die Pravda meldet, steht das wirtschaftliche Leben der UdSSR nun unter dem Vorzeichen des sogenannten „Regimes der Ökonomie“.[1] Dieses Vorhaben zielt darauf ab, durch rigorose Sparmaßnahmen und die systematische Bekämpfung von Ineffizienz die nötigen Mittel für die angestrebte Industrialisierung des Agrarlandes freizumachen. Das Ziel erscheint angesichts ausbleibender Auslandskredite drängender denn je.[1]

Den praktischen Rahmen dieser neuen Wirtschaftspolitik bot kürzlich der zweite Gouvernementskongress des Klubs der sogenannten Roten Direktoren für Moskau und das Moskauer Gouvernement.[1] Vor den versammelten Wirtschaftsführern der Räterepublik wurde die zügige Industrialisierung als gegenwärtig dringlichste Aufgabe des sozialistischen Aufbaus deklariert.[1] Laut dem Moskauer Parteiorgan betonte der führende Parteitheoretiker Nikolai Bucharin in seiner Ansprache, dass über die praktischen Mittel zur Verwirklichung dieses Ziels Klarheit herrschen müsse.[1] Unerlässlich seien die beschleunigte Reproduktion des Anlagekapitals und eine straffe sozialistische Akkumulation von Werten. Nicht zuletzt müsse ein „Regime der größten Sparsamkeit“ kompromisslos durchgesetzt werden.[1]

Diese Direktiven aus der Hauptstadt haben bereits Auswirkungen bis weit in die Provinzen. Dort nimmt der Kampf gegen Vergeudung von Ressourcen konkrete organisatorische Formen an. Aus Nowosibirsk wird berichtet, dass in Sibirien eine intensive Kampagne zur Durchsetzung des Ökonomieregimes im Gange ist.[1] Dem Blatt zufolge finden überall erweiterte Sitzungen der Fabrikkomitees, der örtlichen Parteizellen sowie des kommunistischen Jugendverbands Komsomol statt. An diesen nehmen auch die verantwortlichen Wirtschaftsfunktionäre teil.[1] In lebhaften Debatten formiert sich der Widerstand gegen die Misswirtschaft in den sibirischen Wirtschaftsorganen.[1] Der Vorsitzende des sibirischen Exekutivkomitees, Robert Eiche, wies in diesem Zusammenhang nachdrücklich auf die Notwendigkeit hin, die Betriebsabläufe grundlegend und zügig zu rationalisieren.[1]

Da der Sowjetstaat mangels ausländischer Investitionen gezwungen ist, den Aufbau seiner Schwerindustrie fast ausschließlich aus eigenen Mitteln zu finanzieren, kommt der Beseitigung unrentabler Wirtschaftsstrukturen eine besondere Bedeutung zu.[1] Das neue Regime der Ökonomie ist der entschiedene Versuch, jene finanziellen Reserven zu mobilisieren, die der Staatskasse bisher durch organisatorische Reibungsverluste und mangelnde kaufmännische Erfahrung der Betriebsleitungen entgangen sind.[1] Ob die eingeleiteten administrativen Maßnahmen ausreichen, um die Ineffizienz im Behördenapparat dauerhaft zu beheben, wird die wirtschaftliche Praxis der sibirischen und Moskauer Betriebe zeigen.[1]