Wie der Pariser Figaro meldet, hat der französische Justizminister Pierre Laval nach einer persönlichen Besichtigung des berüchtigten Gefängnisses Saint-Lazare weitreichende Konsequenzen gezogen.[1] Laval hat den Beschluss gefasst, die historische Haftanstalt zumindest teilweise aufzugeben.[1] Als Begründung wird angeführt, dass die drangvolle Enge und die unkontrollierte Vermischung der Insassinnen ein untragbares und gefährliches Maß erreicht haben.[1]

Ein begleitender Bericht der Zeitung gewährt einen Einblick in die bedrückende Atmosphäre des Quartiers für Untersuchungsgefangene.[1] Unter den gleichgültigen Blicken eines städtischen Gardisten entlädt der Gefängniswagen regelmäßig die Gefangenen.[1] Der Einlass erfolgt unter lautem Rasseln der Schlüssel und unter strenger Überwachung durch Aufseher in blauen Uniformen und Képis.[1] Nach rascher Erledigung der Formalitäten in der Kanzlei übernehmen die Ordensschwestern, denen in Saint-Lazare die Bewachung der Frauen obliegt, die neu Angekommenen.[1]

Der Weg in die eigentliche Untersuchungshaft führt, den Schilderungen zufolge, über eine schmale Treppe in den Durchsuchungsraum.[1] Dort müssen die inhaftierten Frauen ihre private Kleidung, Hüte und sämtlichen Schmuck ablegen.[1] Nachdem sie einen Empfangsschein in einem großen Register unterzeichnet haben, werden sie in den Zellentrakt geführt. Dieser isoliert die Frauen vollständig vom Rest der Welt.[1] Der Figaro beschreibt den langen, blassen Korridor „Saint-Vincent-de-Paul“, der in regelmäßigen Abständen von Eisengittern mit massiven Stäben und schweren Schlössern unterbrochen wird.[1] Auf dem hellen Hintergrund der Wände heben sich die dunklen Zellentüren ab. Diese sind lediglich mit Nummern oder einfachen Aufschriften wie Schwesternzelle oder Wäscherei versehen.[1]