Die mit Spannung erwartete panislamische Konferenz in Kairo hat ihre feierlichen Beratungen aufgenommen. Im Zentrum der Verhandlungen steht die künftige Ausrichtung der islamischen Welt, nachdem die traditionelle Ordnung in den vergangenen Jahren erhebliche Erschütterungen erfahren hat.[1] Das vorrangige Ziel der Zusammenkunft ist die Klärung der drängenden Kalifatsfrage. Seitdem die türkische Regierung unter Moustafa Kemal das osmanische Kalifat vor zwei Jahren endgültig abgeschafft hat, ringen die geistlichen Führer um eine tragfähige Neuordnung.[2]
Die in Kairo versammelten Gelehrten — unter ihnen hochrangige Vertreter der bedeutendsten theologischen Fakultäten — stehen vor einer schwierigen Aufgabe.[1] Einerseits gilt es, die zersplitterte religiöse Autorität wiederherzustellen. Andererseits machen sich politische Rivalitäten auf dem internationalen Parkett bemerkbar. Der ägyptische Königshof verfolgt die Diskussionen mit unverkennbarem Interesse, da sich Kairo angesichts des osmanischen Niedergangs zunehmend als neues Zentrum präsentieren möchte. Dennoch zeigen sich auch deutliche Vorbehalte bei einigen ausländischen Delegationen, die eine nationale Instrumentalisierung des überstaatlichen Amtes strikt ablehnen.[1]
Trotz der Appelle zur islamischen Einheit bleibt abzuwarten, ob die Versammlung einen allgemein anerkannten Nachfolger für das höchste religiöse Amt bestimmen kann. Die islamische Welt beobachtet die Vorgänge in der ägyptischen Hauptstadt aufmerksam, wo grundlegende Entscheidungen für die zukünftige theologische Führung getroffen werden sollen.[1] In diplomatischen Kreisen herrscht jedoch erhebliche Skepsis. Wichtige Vertreter anderer Strömungen sind der Einladung aus politischen Gründen ferngeblieben; dadurch wird die Legitimität eines möglichen Beschlusses von Beginn an infrage gestellt.[2]