Der Zufall hat es bemerkenswert gefügt, dass die erste Bundesgeneralversammlung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold just in jene Tage fällt, in denen die Regierung über den sogenannten Flaggenerlass gestürzt ist.[1] In Magdeburg wallen überall die republikanischen Farben. In der überfüllten Sporthalle „Für Stadt und Land" haben sich mehr als 15.000 Republikaner versammelt.[1] Laut dem Vorwärts fanden sich zudem etwa 300 Delegierte aus dem gesamten Reich ein. Schätzungen der lokalen Presse sprechen hingegen von rund 400 Abgesandten.[1][2]

Nachdem Kreisleiter Lange die Anwesenden begrüßt hatte, ergriff der Bundesvorsitzende, Oberpräsident Hörsing, das Wort.[1] Er warnte eindringlich vor neuen Anschlägen auf die Republik und rief den Versammelten zu: „Alle Mann an Deck, es ist Gefahr im Verzuge!"[1] Wie das Hamburger Echo meldet, verkündete Hörsing in der Vormittagssitzung am darauffolgenden Tag, dass sich das Reichsbanner in äußerster Alarmbereitschaft befinde. Man habe noch nie so nah vor einem nationalen Bürgerkrieg gestanden.[1] Er forderte die zügige Bildung eines wahrhaft republikanischen Kabinetts und lehnte eine Kanzlerschaft Gustav Stresemanns oder Otto Geßlers scharf ab.[1] Man könne nicht einen Schuldigen stürzen und dem anderen die Regierung anvertrauen.[1]

Dem Vorwärts zufolge trat sodann General a. D. von Deimling auf das Rednerpult.[2] Er bezeichnete Hans Luthers Verordnung als einen ersten Schritt zum Abbau der Republik und warnte vor einer Militärdiktatur.[2] Deimling forderte darüber hinaus die Schaffung einer aktionsfähigen politischen Zentrale in Berlin.[2] Philipp Scheidemann rechnete anschließend unerbittlich mit den Gegnern der Demokratie ab; er betonte, der Bund sei der Felsen, an dem sich die Putschisten die Köpfe einrennen würden.[1][2]

Die Geschlossenheit der Verfassungsparteien wurde durch weitere prominente Gastredner demonstriert. Ministerialdirektor a. D. Spieker überbrachte die Grüße des Zentrums und forderte entschieden: „Hände weg von Schwarz-Rot-Gold!"[1] Für die Demokratische Partei erklärte der Abgeordnete Haas, man habe den Reichskanzler hinweggefegt, weil er kein Verständnis für die Seele des republikanischen Deutschlands gezeigt habe.[2] Nach Angaben der norddeutschen Sozialdemokratie hob Peter Graßmann für die Gewerkschaften hervor, dass das Reichsbanner die Garantie für den sozialen Volksstaat sei.[1] Die Presse verweist zudem auf den tieferen Hintergrund der politischen Krise. Es gebe ein mutmaßliches Bestreben rechtsgerichteter Unternehmerkreise, der Arbeiterbewegung eine Niederlage zuzufügen.[1] Zum Abschluss der Eröffnungssitzung wurden Scheidemann, Haas, Spieker, Graßmann und Hörsing einstimmig zu den Vorsitzenden der Versammlung gewählt.[1]