Kapitän Hermann Ehrhardt, der am Mittwochnachmittag mit einem Flugzeug in Berlin eingetroffen ist, hat zu dem Verbot des Bundes Wiking durch die preußische Regierung umfassend Stellung genommen.[1] In einer der Presse übergebenen Erklärung weist er die Vorwürfe, die zur Auflösung der Organisation führten, entschieden zurück.[2] Die preußische Regierung hatte das Verbot damit begründet, dass der Bund eine Fortsetzung der Marinebrigade Ehrhardt darstellt, Waffen besitzt und gewillt sei, die bestehende Staatsform gewaltsam zu beseitigen.[1]

Demgegenüber betont Ehrhardt, dass der Bund Wiking weder offen noch versteckt über Waffen verfüge und in keiner Weise militärisch organisiert sei.[2] Beziehungen zur Reichswehr habe man von jeher in Wort und Tat grundsätzlich abgelehnt.[2] Nach Angaben der Deutschen Allgemeinen Zeitung verweist der Kapitän auf sein im März erschienenes Arbeitsprogramm „Nationale Einheit tut not“.[2] Darin habe er ausdrücklich davor gewarnt, die monarchische Frage gegenwärtig aufzuwerfen.[2] Ein Staatsstreich, ob von rechts oder von links, sei heute zum Tode verurteilt und würde die Not des Volkes nur vergrößern.[1]

Unterdessen hat der Bund Wiking gegen das preußische Verbot offiziell Beschwerde beim Staatsgerichtshof eingelegt.[1] Das Vorgehen der Behörden betrifft sämtliche Gaue und Ortsgruppen in Preußen sowie den angeschlossenen Sportverein Olympia.[1] Das Vermögen der Organisationen wird auf Grundlage des Republikschutzgesetzes zugunsten des Reiches beschlagnahmt.[1] Der Bezirk Groß-Berlin des Bundes veranstaltete noch am Himmelfahrtstag auf dem Olympia-Sportplatz ein Fest. Die Polizei hatte dies zunächst genehmigt. Die Veranstaltung endete unter Anwesenheit Ehrhardts planmäßig, bevor das eigentliche Verbot in Kraft trat.[1]

Wie weitreichend die Aktion der Polizei angelegt ist, zeigt das Vorgehen in Westfalen. Laut dem Westfälischen Merkur fanden im Zusammenhang mit angeblichen Putschplänen frühmorgendliche Haussuchungen bei führenden Industriellen statt.[3] So erschienen Kriminalbeamte bei Generaldirektor Dr. Vögler in Dortmund.[3] Die Polizisten erklärten, in Berlin seien Urheber eines Putschplanes verhaftet worden, die ausgesagt hätten, Vögler habe die Erhebung finanziert.[3] Vögler bezeichnet diese Behauptungen als haltlos und hat über seinen Rechtsanwalt unverzüglich Strafantrag gestellt.[3]