Aus den chinesischen Provinzen mehren sich die Berichte über eine bedrohliche Ausweitung der bäuerlichen Selbstverteidigungsorganisationen.[1] Wie die Moskauer Prawda in einer detaillierten Schilderung der Lage meldet, haben diese Freischärlerverbände in jüngster Zeit erheblichen Zulauf erhalten und operieren unter verschiedenen Bezeichnungen.[1] In der Provinz Schantung (Shandong) treten die sogenannten ‚Roten Speere‘ auf, die mittlerweile mehrere tausend Mann zählen.[1] Sie beschränken sich nicht länger auf den Schutz ihrer Dörfer, sondern gehen zu offensiven Überfällen auf reguläre Truppen über.[1] Gerüchten zufolge sollen sie im südlichen Teil der Provinz bereits mehrere Städte besetzt haben.[1]
Etwas weiter südlich von Tsinan (Jinan) agieren vergleichbare Gruppen unter dem Namen ‚Schwarze Speere‘.[1] Diese sind der Zeitung zufolge bereits mit Gewehren bewaffnet. Sie bilden Zweige einer gut vernetzten Geheimorganisation.[1] Die Anführer dieser Einheiten erklären ausdrücklich, sie wollten die Zivilbevölkerung vor marodierenden Soldaten und umherziehenden Banditen schützen — ein Unterfangen, das auf große Resonanz stößt.[1] Die bäuerliche Einwohnerschaft unterstützt die Partisanen tatkräftig, indem sie diese mit Lebensmitteln versorgt und bei Gefahr verbirgt.[1] Auch in der Provinz Schensi (Shaanxi) greift die Bewegung um sich.[1] Dort kämpfen die ‚Weißen Speere‘ offen gegen die Truppen des Marschalls Wupeifu (Wu Peifu).[1]
Obgleich die Erhebung bislang überwiegend sporadischen und wenig organisierten Charakter trägt, bereitet sie den örtlichen Militärbehörden ernstes Kopfzerbrechen.[1] Die regionalen Machthaber fürchten eine flächendeckende Ausbreitung des bäuerlichen Aufstands.[1]
Diese ländlichen Unruhen fallen in eine Zeit starker städtischer Anspannung. Am 30. Mai jährt sich der Tag der blutigen Schüsse auf Demonstranten in Schanghai.[1] Aus Furcht vor erneuten Zwischenfällen hat der dortige Polizeichef bereits strenge Maßnahmen angeordnet. Diese sollen jegliche Versammlungen und Kundgebungen an diesem Gedenktag im Keim ersticken.[1]