Der aufsehenerregende Prozess um die Fälschung französischer Franc-Noten vor dem Budapester Gerichtshof hat durch weitere Zeugeneinvernahmen an politischer Brisanz gewonnen.[1] Im Mittelpunkt der Verhandlung stand die Aussage des Grafen Anton Sigray.[1] Die Neue Freie Presse berichtet detailliert, wie Sigray von einer Unterredung mit Prinz Windisch-Graetz anlässlich einer Silvesterfeier erzählte.[1] Auf Sigrays Frage, ob ihm aus der Verhaftung seines Kammerdieners kein Unheil drohe, habe der Prinz erwidert, dass die Regierung in die Angelegenheit eingeweiht sei.[1] Ministerpräsident Bethlen habe zwar Kenntnis gehabt, sei aber gegen das Vorhaben gewesen. Windisch-Graetz habe dagegen Minister Rakovszky als direkten Mitwisser belastet.[1] Zudem habe der Prinz behauptet, die falschen Noten würden in einem staatlichen Institut hergestellt.[1]
Als man Prinz Windisch-Graetz mit diesen Aussagen konfrontierte, berief er sich auf seine tiefe Freundschaft zu Sigray.[1] Er betonte, dass man vor einem ungarischen Gericht nicht lügen dürfe, lehnte jedoch im Bewusstsein seiner Verantwortung jede weitere Äußerung ab.[1] Ebenfalls berichtete der Pariser Temps über die Rolle des Grafen Teleki, der sich nach Einschätzung des Blattes bemüht, sich der schwierigen Lage zu entziehen.[2] Teleki leugnete nicht, von den Fälschungen gewusst zu haben, und empfahl den Sachverständigen Geroe, um die technische Machbarkeit zu prüfen.[2] Obwohl Teleki später den Abbruch der Arbeiten forderte, setzte Geroe die Fälschungen auf höheren Befehl des Polizeipräsidenten Nadossy fort.[2]
Nadossy erklärte bei seiner Gegenüberstellung mit Teleki, den Befehl Bethlens zur Überwachung der Vorgänge bewusst ignoriert zu haben.[2] Seine patriotische Gesinnung habe ihm die Notwendigkeit dieses Fälscherwerkes für die nationale Sache vorgeschrieben.[2] Wie tief die Verstrickung reicht, verdeutlichte die Aussage des Bischofs Graf Mikes.[1] Dieser berichtete von einem Gespräch mit Bischof Zadravecz, in dem jener versicherte, es werde kein Unglück geschehen, da „Patron Stephan“ — womit zweifellos der Ministerpräsident gemeint war — von der Sache wisse.[1] Aufgrund offensichtlicher Widersprüche lehnte der Oberstaatsanwalt die Beeidigung des Bischofs Zadravecz ab.[1] Der Zeuge Raba betonte zudem, dass Teleki als direkter Vermittler zwischen Windisch-Graetz und Bethlen fungiert habe.[2]