Der Reichstag erlebte eine überaus heftige Debatte, die sich an einem Antrag auf Aufhebung des Republikschutzgesetzes entzündete.[1] Wie der Westfälische Merkur meldet, nutzten die Fraktionen die Aussprache vor allem für eine scharfe Abrechnung mit der preußischen Staatsregierung.[1] Das jüngste polizeiliche Vorgehen der preußischen Regierung gegen rechtsradikale Kreise stand dabei im Mittelpunkt der Kritik.[1]
Für die Deutsche Volkspartei erklärte der Abgeordnete Scholz, dass die Ereignisse in Preußen seine Partei aufs Äußerste erregt hätten.[1] Er bezeichnete die polizeiliche Aktion als einen „groben Missbrauch der gesetzlichen Bestimmungen“.[1] Infolgedessen forderte er, das Republikschutzgesetz so schnell wie möglich aufzuheben.[1] Unterstützung fand diese Haltung bei den Deutschnationalen.[1] Der Abgeordnete von Freytag-Loringhoven verteidigte die Ausarbeitung einer Verfassung durch rechte Kreise und betonte, das umstrittene Gesetz müsse umgehend fallen.[1]
Auch von der Linken wurde die bisherige Handhabung des Gesetzes scharf kritisiert.[1] Dem Harburger Tageblatt zufolge erklärte der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Levi wörtlich: „Jeder Kundige weiß, dass das Republikschutzgesetz seine Schärfe nur gegen links richtet.“[2] Die Kommunisten schlossen sich dieser Auffassung an und betonten, auch sie seien von der staatlichen Verfolgung getroffen.[1]
Eine entschiedene Verteidigung der preußischen Behörden übernahm das Zentrum.[1] Der Abgeordnete von Guérard wies die Vorwürfe energisch zurück und erklärte, er könne keinen sachlichen Zusammenhang zwischen dem Vorgehen in Preußen und der Gesetzesdebatte erkennen.[1] Schließlich wurde der Antrag zur weiteren Prüfung an den Rechtsausschuss überwiesen.[1]