Die bevorstehende Pfingsttagung des Roten Frontkämpferbundes in der Reichshauptstadt zieht weite Kreise in der politischen Öffentlichkeit. Besonders die deutschnationale Presse bemüht sich derzeit, die Bevölkerung mit alarmierenden Berichten über eine angebliche Gefährdung der öffentlichen Sicherheit zu beunruhigen.[1] Nach Berichten des Harburger Tageblattes kursieren Gerüchte, wonach die Schutzpolizei höchste Alarmbereitschaft angeordnet habe und der Urlaub sämtlicher Beamter gesperrt worden sei.[2] Es wird zudem behauptet, neben 14.000 Polizisten solle auch die Reichswehr eingesetzt werden; Artillerie werde an den wichtigsten Punkten der Stadt aufgefahren, während Panzerwagen durch die Straßen patrouillierten.[2][1] Die Neue Freie Presse meldet, zur Beförderung der Teilnehmer würden zahlreiche Sonderzüge eingesetzt, darunter allein sechzig Züge aus Stettin, dreißig aus Hamburg und zwanzig aus Halle.[1]

Das Berliner Polizeipräsidium widerspricht diesen Darstellungen nun entschieden. Laut dem Berliner Tageblatt bezeichnet die Behörde die Behauptungen der Rechtspresse als „frei erfunden und zum Teil direkt absurd“.[3] Die Polizei stellt klar, dass es sich nicht um eine wohlwollende Genehmigung des kommunistischen Aufmarsches handele, sondern um eine verfassungsrechtlich zulässige Tagung, für deren Verbot die rechtlichen Voraussetzungen fehlten.[3] Zwar verfüge man in Berlin über deutlich mehr als 14.000 uniformierte Beamte sowie Tausende Zivilpolizisten. Dennoch sei die Polizei an die Reichswehr mit der Bitte um Unterstützung herangetreten.[3] Für die eintreffenden Mitglieder des Verbandes gelte ein striktes Waffen- und Stockverbot, das unter allen Umständen durchgesetzt werde.[3]

Auch im Preußischen Landtag war die geplante Kundgebung bereits Thema. Der kommunistische Abgeordnete Wilhelm Pieck erklärte dort unmissverständlich, dass zu Pfingsten keine Revolution inszeniert werde.[2] Vielmehr sei eine Kundgebung für die Einigkeit des Proletariats vorgesehen.[2] Die Warnungen der bürgerlichen Blätter erscheinen somit zunächst als gezieltes politisches Manöver.