Die elfte Pariser Strafkammer fällte am gestrigen Dienstag das Urteil in jener Affäre, die seit den Verhaftungen im vergangenen Dezember unter dem Schlagwort der ‚englischen Spione‘ für erhebliches Aufsehen gesorgt hatte.[1][2] Wie der Figaro meldet, fanden die Verhandlungen aufgrund der militärischen Brisanz der Thematik vollständig unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.[2] Das Gericht sah es nach den Anhörungen als zweifelsfrei erwiesen an, dass die Angeklagten systematisch versucht hatten, an geheime Pläne über französische Marine- und Luftfahrtstützpunkte sowie über neuestes Kriegsmaterial zu gelangen.[1][3]

Die drei britischen Hauptangeklagten hatten sich in Frankreich zur Tarnung als Fabrikanten für Apparate der drahtlosen Telegrafie ausgegeben.[2] Der Rädelsführer John Leather wurde nunmehr zu drei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 3000 Francs verurteilt.[1][2] Seine beiden Komplizen Ernest Philipps und William Fischer erhielten vom Gericht jeweils zwei Jahre Haft sowie eine finanzielle Buße in Höhe von 2000 Francs.[1][2]

Darüber hinaus standen zwei französische Frauen vor Gericht, die die ausländischen Agenten bei ihren illegalen Recherchen maßgeblich unterstützt hatten.[1] Die 24-jährige, rotblonde Fallschirmspringerin Marthe Moreuil, die in einschlägigen Kreisen auch unter dem Decknamen Monsiel operierte, und die Tänzerin Andrée Lefebvre wurden zu jeweils sechs Monaten Gefängnis und 500 Francs Geldstrafe verurteilt.[2][3]

Nach Berichten der China Mail hatten die beiden Frauen auf Anweisung der Briten gezielt die Marinestützpunkte in Brest und Saint-Raphaël aufgesucht. Dort machten sie die Bekanntschaft junger französischer Seeoffiziere, um ihnen Informationen zu entlocken.[3] Im Fall der Angeklagten Moreuil erkannte das Gericht zwar mildernde Umstände an, verweigerte ihr jedoch das Recht, offiziell weitere angebliche Spione zu benennen.[3] Ihre ersten Aussagen vor den Ermittlungsbehörden hatten sich als kalkulierte Falschaussagen erwiesen, mit denen sie die Justiz in die Irre führen wollte.[3]