In den Vereinigten Staaten geht der bekannte Entfesselungskünstler Harry Houdini derzeit rigoros gegen okkulte Betrügereien vor.[1] Den Kern der Auseinandersetzungen bildet der sogenannte Bloom-Gesetzentwurf, der darauf abzielt, die amerikanische Hauptstadt von wahrsagenden Zigeunern, Kristallsehern und betrügerischen Geistermedien zu säubern.[1] Wie der Evening Star berichtet, fand vor einem Unterausschuss des Repräsentantenhauses eine bemerkenswerte Anhörung statt, die bis kurz vor Mitternacht andauerte.[1] Etwa 400 Zuhörer, darunter zahlreiche Kongressabgeordnete und deren Ehefrauen, verfolgten die teils grotesk verlaufende Sitzung unter dem Vorsitz des Abgeordneten Reid aus Illinois.[1][2]
Houdini nutzte die Anhörung für eine eindrucksvolle Herausforderung. Nach Angaben der Washington Post platzierte er eine Trompete auf einem Tisch und forderte die anwesenden Spiritisten auf, diese ohne den Einsatz von Tricks durch die Luft schweben zu lassen, um so die Stimmen Verstorbener zu übertragen.[2] Niemand nahm diese Herausforderung an.[2] Houdinis Ermittlerin Rose Mackenberg sagte zudem aus, dass männliche Medien sie in abgedunkelten Räumen zu „unmoralischen Handlungen“ hätten drängen wollen.[2] Houdini selbst betonte, sein Feldzug entspringe keiner persönlichen Boshaftigkeit und er sei überzeugt, dass aufrichtige Gläubige ihm eines Tages für die Entlarvung der Scharlatane danken würden.[2]
Die Anhänger des Okkultismus wehrten sich energisch. Vertreter der spiritistischen Kirche erhoben den Vorwurf, das Bloom-Gesetz werde von der organisierten Religion gefördert, um ihre Glaubensgemeinschaft zu vernichten.[2] Die Astrologin Grace Marcia, die nach eigenen Angaben den Wahlsieg und Tod des Präsidenten Harding vorausgesagt hatte, zog einen eigenwilligen Vergleich: Falls der Kongress die Wahrsagerei verbiete, müsse er folgerichtig auch das staatliche Wetterbüro auflösen, da dieses ebenfalls versuche, die Zukunft vorherzusagen.[1][2] Dann kamen auch finanzielle Skandale zur Sprache. Zeugen schilderten den Verlust von 60.000 Dollar unter dem Deckmantel angeblicher Geisterbotschaften.[1] Der Geistliche Harry P. Strack, Sekretär der Nationalen Spiritistischen Vereinigung, bemühte sich, diese Vorwürfe zu entkräften, stieß dabei jedoch auf lauten Widerspruch.[1] Auch Laien meldeten sich zu Wort. So protestierte ein langjähriger Regierungsbeamter im Namen der Steuerzahler gegen das Gesetz und legte eine Liste prominenter Persönlichkeiten vor, die zum Spiritismus konvertiert seien.[1] Der zuständige Ausschuss wird nun in nichtöffentlicher Sitzung über das umstrittene Gesetz beraten.[2]