Eine unlängst für die japanische Regierung durchgeführte Untersuchung hat erhebliche Missstände in den Textilfabriken des Landes zutage gefördert.[1] Nach dem Bericht des zuständigen Arztes, Dr. Ishihara, ist die Sterblichkeitsrate unter den Arbeiterinnen außergewöhnlich hoch.[1] Von eintausend weiblichen Arbeitskräften sterben jährlich 23 an den Folgen der verpflichtenden Nachtarbeit.[1]

Unabhängige medizinische Gutachten belegen zudem, dass Frauen und jugendliche Arbeiter in Nachtschichten besonders anfällig für Tuberkulose, Verdauungsstörungen und Grippe sind.[1] Nach Angaben der Los Angeles Times ist die Mehrzahl der Arbeiterinnen zwischen 15 und 20 Jahre alt. Die Zahl der Kinder im Alter von 8 bis 15 Jahren ist ebenfalls beträchtlich.[1]

Die harten Arbeitsbedingungen führen zu einem ständigen Wechsel der Belegschaft, der nach den vorliegenden Berichten kaum vorstellbare Ausmaße annimmt.[1] Das Personal in den japanischen Fabriken wird nahezu jedes Jahr vollständig ausgewechselt.[1] Im Bezirk Tokio beträgt die Fluktuation etwa 380 Prozent. Im Gebiet von Osaka liegt sie bei rund 100 Prozent.[1] Neben der Nachtarbeit gilt auch das bei den Arbeiterinnen wenig beliebte System der werkseigenen Wohnheime, das in über 10.000 Fabriken Japans angewandt wird, als Ursache für den raschen Personalwechsel.[1]

Diese Verhältnisse bestehen, obwohl bereits 1923 ein Gesetz zur Einschränkung der Nachtarbeit für Frauen und Jugendliche erlassen wurde.[1] Die Durchsetzung dieses Gesetzes scheiterte jedoch am Widerstand der Arbeitgeber. Diese behaupteten damals, ein Verbot der Nachtarbeit würde die Installation von vier Millionen zusätzlichen Spindeln erfordern, eine Zahl, die laut dem amerikanischen Blatt seitdem ohnehin überschritten wurde.[1]