An der griechisch-bulgarischen Grenze, die erst im vergangenen Herbst Schauplatz ernster militärischer Auseinandersetzungen war, hat sich erneut ein blutiger Zwischenfall ereignet.[1]
Nach Berichten aus Athen und Sofia wurde am Montag, dem 24. Mai, ein griechischer Grenzposten im Bezirk von Gumuljina (Komotini) angegriffen.[1][2] Die *Neue Freie Presse* meldet unter Berufung auf eine Nachricht aus Saloniki, dass es sich bei den Angreifern um eine aus drei Mann bestehende bulgarische Komitatschibande gehandelt habe.[2] Im Verlauf der Schießerei, die auf griechischem Gebiet stattfand, wurden ein griechischer Soldat und einer der Angreifer getötet.[1] Den Wiener Meldungen zufolge soll der zweite griechische Soldat des Postens Widerstand geleistet und einen der Komitatschis erschossen haben. Daraufhin ergriffen dessen zwei Kameraden die Flucht.[2] Ferner wird aus Saloniki berichtet, dass am folgenden Morgen ein weiterer bulgarischer Komitatschi beim Versuch des Grenzübertritts getötet worden sei.[2]
Die griechischen Behörden verlangten eine umgehende Untersuchung des Vorfalls und die Feststellung der Identität des getöteten Angreifers, bei dem es sich ihrer Vermutung nach um einen bulgarischen Soldaten handeln soll.[1] Die bulgarische Seite hat sich dem Vernehmen nach bereit erklärt, dieser Forderung nachzukommen.[1] Bereits am Mittwoch kamen der bulgarische und der griechische Kommandant der Grenztruppen zu einer Besprechung zusammen, um weitere Zwischenfälle zu vermeiden.[1]
Auch die vom Völkerbund zur Überwachung der Grenze eingesetzten neutralen Offiziere wurden unverzüglich tätig. Der den bulgarischen Truppen zugeteilte schwedische Offizier nahm umgehend Verbindung mit seinem schwedischen Kollegen auf griechischer Seite auf, um zur Aufklärung beizutragen.[1] In diplomatischen Kreisen in Sofia äußert man die Hoffnung, dass der Zwischenfall auf gütlichem Wege beigelegt werden kann.[1]