In der Ersten Kammer des niederländischen Parlaments ist eine eingehende Debatte über den Haushalt des Ministeriums für Arbeit, Handel und Gewerbe entbrannt, die tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten in der Sozial- und Wohnungspolitik offenbarte.[1]

Ein zentraler Gegenstand der Verhandlungen war die Haltung der Niederlande zu internationalen Arbeitsabkommen.[1] Der katholische Abgeordnete van der Lande äußerte sich, wie aus dem *Nieuwe Rotterdamsche Courant* hervorgeht, sehr zurückhaltend bezüglich einer Ratifizierung der Washingtoner Konvention über den Achtstundentag.[1] Er wies darauf hin, dass nach beinahe sieben Jahren erst Länder wie Bulgarien, Rumänien und Griechenland die Vereinbarungen umgesetzt hätten, während die großen Industrienationen zögerten.[1] Der Abgeordnete warnte eindringlich davor, den niederländischen Arbeiter zum Leidtragenden eines Prinzips zu machen, das der ausländischen Industrie Wettbewerbsvorteile verschaffen würde.[1] Als Beispiele nannte er die starke Konkurrenz der belgischen Ziegelindustrie, welche ihre Waren billiger anbieten könne, sowie die wachsende Textilindustrie in Japan, wo die Arbeitsbedingungen weitaus ungünstiger seien.[1]

Besonders scharfe Kritik erfuhr die Regierung für ihre Pläne im Wohnungsbau.[1] Der Minister vertritt den Standpunkt, dass die Wohnungsversorgung nunmehr weitgehend dem Privatsektor überlassen werden könne und staatliche Vorschüsse nur noch für den Ersatz von Elendsquartieren — sogenannten ‚krotten‘ — notwendig seien.[1] Ein Redner der Opposition bezweifelte jedoch, ob der dafür vorgesehene Betrag von 80.000 Gulden ausreichend sei.[1] Er rechnete vor, dass diese Summe bei einem angenommenen Zuschuss von 50 Gulden pro Wohnung lediglich für 1600 Neubauten genüge. Sie würde also nicht, wie von der Regierung vage in Aussicht gestellt, für 5000 Wohnungen ausreichen.[1] Es entspann sich eine Grundsatzdebatte darüber, was eine „Arbeiterwohnung“ überhaupt sei. Nach Ansicht der Kritiker müsse dies eine Wohnung sein, deren Miete für einen gewöhnlichen Arbeiter erschwinglich ist, und nicht nur ein statistischer Begriff.[1] Der Redner warnte davor, sich auf die privaten Bauherren zu verlassen, da die von ihnen nach Minimalvorschriften errichteten Bauten oft von so schlechter Qualität seien, dass der Staat schon nach wenigen Monaten hohe Summen für Reparaturen aufwenden müsse, um sie überhaupt bewohnbar zu machen.[1]

Arbeitsminister Slotemaker de Bruine verteidigte die Regierungslinie.[1] Er entgegnete auf die Kritik, dass die Zeit für theoretische Erörterungen vorbei sei. Es sei nunmehr geboten, praktisch zu handeln und lieber einige Elendsquartiere zu beseitigen, als lange Theorien über den idealen Wohnungsbau aufzustellen.[1]