Die revolutionäre Bewegung in Portugal, die am vergangenen Donnerstag in Braga ihren Ausgang nahm, hat in den letzten Tagen rasch an Boden gewonnen und zum Sturz der Regierung geführt.[1][2] Wie aus Lissabon gemeldet wird, trat das amtierende Kabinett in der Nacht zum Sonntag zurück, nachdem sich die militärische Lage für die Regierung als aussichtslos erwiesen hatte.[1] Der Präsident der Republik, Machado, hat daraufhin am Sonntagmorgen den Kapitän Mendes Cabeçadas zu sich berufen und ihm den Auftrag zur Bildung einer neuen nationalen Regierung erteilt.[1][2] Cabeçadas, der bereits an den Revolten vom April und Juli des Vorjahres beteiligt war, hat den Auftrag angenommen.[1]

Die Bewegung, die von General Gomes da Costa angeführt wird, scheint das gesamte Land erfasst zu haben.[1] General Costa hatte sich am Donnerstag mit dem Automobil von Lissabon nach Braga begeben, wo er die Führung der aufständischen Truppen übernahm und als erste Maßnahme die örtliche Polizei entwaffnen ließ.[1] Von dort breitete sich die Erhebung rasch über den Norden des Landes aus.[1] Am Sonnabend zog General Costa widerstandslos in Porto ein.[1] Weitere Truppenteile schlossen sich der Bewegung an; so meuterte nach der achten Division in Porto auch ein großer Teil der ersten, sechsten und siebenten Division.[3] Ferner marschieren Regimenter aus Braga und Evora auf die Hauptstadt zu.[4][5] Der frühere Kriegsminister, General Carmona, den die Regierung zur Inspektion der südlichen Divisionen entsandt hatte, machte ebenfalls gemeinsame Sache mit den Aufständischen. Er setzte sich an deren Spitze und marschierte in Richtung Lissabon.[3]

Die Regierungstruppen waren offenbar nicht in der Lage, den Vormarsch aufzuhalten. Wie aus verschiedenen Meldungen hervorgeht, hatten die Aufständischen frühzeitig die Eisenbahnverbindungen im Norden des Landes unterbrochen.[4][3][6] Zudem sollen sich die Eisenbahngesellschaften geweigert haben, Regierungstruppen zu befördern, um diese den Rebellen entgegenzusenden.[4][5] Die Regierung hatte zwar noch am Sonnabend erklärt, die Verteidigung Lissabons sei für den Fall einer Belagerung gesichert.[4] Doch angesichts der sich zuspitzenden Lage und der wachsenden Stärke der Aufständischen musste sie schließlich weichen.[1][2] In Lissabon selbst, wo am Sonnabendabend vorsorglich die Cafés geschlossen wurden und es zu leichten Zusammenstößen kam, herrscht nach letzten Berichten nunmehr Ruhe.[4][1] Patrouillen der republikanischen Garden sorgen für die Aufrechterhaltung der Ordnung.[4]

Die Führer der Bewegung haben in mehreren Aufrufen ihre Ziele dargelegt.[3][6] In einer Kundgebung wird erklärt, die Bewegung trage keinen militärischen Charakter, sondern verfolge rein republikanische Ziele und strebe die Bildung einer Regierung auf demokratischer Grundlage an.[4][6] Demgegenüber erklärte ein an der Spitze stehender General in einem Interview, er wolle eine Militärregierung bilden, die jedoch nicht militaristisch sein solle. Damit soll verhindert werden, dass die Revolution einer bestimmten politischen Partei zugutekommt.[4] Zu den proklamierten Zielen gehören laut der *Neuen Freien Presse* die Reorganisation der öffentlichen Ämter, die Verringerung der Staatsausgaben, ein ausgeglichener Haushalt sowie die politische und wirtschaftliche Hebung der Kolonien.[3] Als eine der ersten Maßnahmen der neuen Regierung werden die Auflösung des Parlaments und die Aufhebung jener Gesetze erwartet, die als schädlich für die Interessen des Landes angesehen werden.[4][3][2]

Nachrichten aus Portugal dringen infolge einer strengen Zensur nur spärlich durch.[4] Die Zeitungsverleger in Lissabon sollen aus Protest gegen die Zensurmaßnahmen beschlossen haben, vorläufig keine Zeitungen erscheinen zu lassen.[4] Auch die telegrafischen und telefonischen Verbindungen mit dem Ausland sind seit heute Morgen unterbrochen.[3] Die Führer der Revolution haben unterdessen verlauten lassen, dass sie unter Waffen bleiben werden, bis die Ministerkrise behoben ist.[1] Ihre Politik, so heißt es in einem Aufruf, sei die ‚Reinigung der Regierung‘.[1]