Die nach der Konferenz von Locarno erfolgte Räumung der Kölner Zone durch die britischen Besatzungstruppen hat nicht zu der erhofften allgemeinen Verminderung der Truppenstärke am Rhein geführt.[1] Stattdessen findet eine weitreichende Umgruppierung der Einheiten statt. Im Zuge dieser Umgruppierung wird die englische Division nun in andere Quartiere verlegt.[1] Französische Verbände haben jüngst Wiesbaden geräumt, um Platz für die aus Köln anrückenden britischen Soldaten zu machen.[2]
Die Übergabe der Stadt vollzog sich im Rahmen einer militärischen Zeremonie.[2] Wie der Pariser Le Temps berichtet, trat eine französische Infanterie- und Kavallerieeinheit gemeinsam mit einer schottischen Kompanie auf dem Platz vor dem ehemaligen kaiserlichen Schloss an.[2] Der französische General Barthélemy schritt, begleitet vom britischen Oberst Maxwell-Scott, die Front der Truppen ab.[2] Während die französische Regimentskapelle die Marseillaise spielte, wurde die Trikolore eingeholt. Unmittelbar danach hissten die Schotten unter den Klängen von „God save the King“ den britischen Union Jack.[2] Den Abschluss bildete ein Vorbeimarsch der Truppen vor der neuen und der alten Kommandantur.[2]
Diese ausschließlich militärischen Verschiebungen haben für die Zivilbevölkerung in den verbliebenen Besatzungszonen empfindliche Folgen.[1] Da die französischen und belgischen Streitkräfte ihre Kontingente nicht im gleichen Maße verringert haben, schwellen die fremden Garnisonen in vielen Orten sogar an.[1] Dem Berliner Tageblatt zufolge wurden infolge dieser Truppenvermehrung in der zweiten und dritten Zone insgesamt dreihundertzwanzig Wohnungen neu mit Beschlag belegt. Dies stellt für die betroffenen Gemeinden eine erhebliche Belastung dar.[1]
Aus politischen Kreisen in Berlin verlautet, dass diese Entwicklung als inkorrekt empfunden wird, da sie dem Geist der Verträge von Locarno widerspreche.[1] Die deutsche Politik, so heißt es, müsse ihre Kraft auf die Lösung des gesamten Problems richten. Sie solle sich nicht im diplomatischen Ringen um die Freigabe einzelner Wohnungen oder die Reduzierung der Besatzungsziffer um wenige tausend Mann erschöpfen.[1] Das eigentliche Ziel bleibe die vollständige Räumung des Rheinlandes.[1]