Unter großen Feierlichkeiten ist am heutigen Sonntag das neue Gebäude des Internationalen Arbeitsamtes eingeweiht worden. An der Zeremonie nahmen neben dem schweizerischen Bundesrat auch Vertreter von Kanton und Stadt Genf teil.[1] Zahlreiche Minister der führenden Staaten waren zugegen, darunter der britische Außenminister Chamberlain und der deutsche Reichsarbeitsminister Dr. Brauns.[1] Die französische Regierung wurde, wie der Pariser Figaro meldet, durch Minister Durafour vertreten.[2]

Der Neubau, der sich in einem schattigen Park direkt am Seeufer erhebt, präsentiert sich in schlichter, doch eindrucksvoller Architektur.[1] Das vierstöckige Gebäude umschließt einen großen Hof und wird von einem Turmaufbau überragt.[1] Dieser Palast der internationalen Arbeitsorganisation wurde durch großzügige Geschenke zahlreicher Mitgliedsstaaten ausgeschmückt.[1] So stiftete Belgien zwei bronzene Arbeitergestalten von Meunier für die Eingangshalle, während Großbritannien die Kosten für die Möblierung des großen Verwaltungsratsaales übernahm.[1] Dem Berliner Tageblatt zufolge stammt das dunkle Edelholzgetäfel dieses Raumes aus Indien, ein mächtiger Gobelin aus Frankreich und zwei große Cloisonné-Vasen aus Japan.[1]

Die Liste der Spenden zeugt von der breiten internationalen Beteiligung.[1] Deutschland steuerte gemalte Fenster bei, die jedoch noch nicht eingetroffen sind.[1] Weitere Gaben umfassen unter anderem Kristallleuchter aus der Tschechoslowakei, Mahagonimöbel aus Polen, Bilder aus Spanien und einen Fayencebrunnen, den der internationale Seemannsverband stiftete.[1] In diesem Haus, das durch die Freigebigkeit so vieler Länder ausgestattet wurde, arbeiten nun 380 Beamte aus dreißig Nationen unter der Leitung des Direktors Albert Thomas an den Aufgaben der Organisation.[1] Das Jahresbudget für diese Arbeit beträgt rund sieben Millionen Franken.[1]