Dem Pariser Blatt Le Temps zufolge hat Grigori Sinowjew (Grigori Jewsejewitsch Sinowjew) in einer Rede die Differenzen zwischen der Mehrheit und der Opposition im kommunistischen Parteiapparat dargelegt.[1] Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand eine scharfe Kritik an der gegenwärtigen Bauernpolitik.[1]

Die entscheidende Tatsache des Tages ist nach Sinowjew der wachsende Einfluss der reichen Bauern auf die Wirtschaftspolitik. Dies führt zu erheblichem Missmut bei den armen Bevölkerungsmassen.[1] Sinowjew betonte, man dürfe nicht übersehen, dass Abermillionen armer Bauern ebenfalls ihre Anführer hätten.[1] Überdies würden demobilisierte Soldaten der Roten Armee, die enge Verbindungen zu diesen Schichten unterhielten, deren Haltung unterstützen.[1]

Der Redner forderte, dass nun die Zeit gekommen sei, innerparteiliche Demokratie einzuführen.[1] Das Volk strebe nach Gleichheit, und im Namen dieser Gleichheit habe sich das Proletariat im Oktober 1917 erhoben.[1] Nach Sinowjews Ansicht seien die gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse, die er als Neuschöpfungen der Bourgeoisie bezeichnete, für das Regime eine weniger sichere Stütze als die Arbeitermassen.[1] Er äußerte Zweifel daran, ob die begünstigten Elemente im Falle eines großen Krieges die Waffen zur Verteidigung der bolschewistischen Errungenschaften ergreifen würden.[1]

Abschließend forderte Sinowjew für die Leningrader Parteiorganisation das Recht, ihre Führer selbst zu ernennen, ohne dass ihr der Wille des Zentralkomitees aufgezwungen werde.[1] Außerdem verlangte er die Freiheit der Diskussion in einer eigens dafür zu schaffenden Zeitschrift.[1]