Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung unter Berufung auf einen soeben aus Tarnopol eingetroffenen Gewährsmann meldet, ist über ganz Ostgalizien der Ausnahmezustand verhängt worden.[1] Die Lage in der Region hat sich in den letzten Tagen erheblich zugespitzt. Seit Montagabend sechs Uhr steht die Stadt Lemberg unter dem Belagerungszustand.[2][1]

Zur Verstärkung der örtlichen Kräfte wurden zwei Kavallerieregimenter von der russischen Grenze nach Lemberg beordert. Zudem erhalten sie Unterstützung durch Polizei- und Gendarmerieeinheiten aus Kongresspolen.[2][1] Die Unruhen, die von der ukrainischen Bevölkerung ausgehen, haben das gesamte Gebiet erfasst.[2] In den vergangenen drei Tagen nahm die politische Polizei in Tarnopol und Lemberg 160 Personen fest.[1] Berichten zufolge gingen auch von kommunistischer Seite Putschbestrebungen aus.[2]

In Lemberg kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen ukrainischen Demonstranten und der Polizei, bei denen 18 Personen getötet und 80 weitere verletzt wurden.[2][1] Eine Kundgebung ukrainischer Studenten im Universitätsgebäude wurde von der Polizei verboten; dies führte zu mehreren Festnahmen.[1] Die ohnehin angespannte Situation wird durch groß angelegte Bauernunruhen in der Gegend um Jaroslaw weiter verschärft.[2][1] Als Reaktion auf die Ereignisse haben die Behörden eine umfassende Militärzensur verfügt und die Schließung sämtlicher ukrainischer Nationalzeitungen angeordnet.[1] Außerdem wurden in der vergangenen Nacht mehr als 400 politische Gefangene aus dem Lemberger Untersuchungsgefängnis nach Zentralpolen abtransportiert.[1]