Im Vorfeld der 6. Bundesgeneralversammlung des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes ist am Sonnabend in Berlin ein bedeutender Schritt zur internationalen Zusammenarbeit der Arbeiterschaft unternommen worden.[1] Im Gewerkschaftshaus kamen Vertreter ausländischer Verbände zusammen. Ziel war es, die Gründung einer Internationale der Arbeiter-Sänger zu beschließen.[1]
Der erste Vorsitzende des deutschen Bundes, Herr Meyer aus Berlin, eröffnete die Konferenz. In seiner Ansprache betonte er die Notwendigkeit des internationalen Zusammenschlusses.[1] Er erklärte, die Arbeiter-Sängerbewegung müsse durch das gemeinsame Volks- und Tendenzlied einen Weg aufzeigen, um den Völkerhass zu bekämpfen und Frieden sowie Menschenliebe zu fördern.[1] Diesem Aufruf folgten neben dem Deutschen Arbeiter-Sängerbund die Verbände aus Österreich, der Tschechoslowakei, Ungarn und Elsass-Lothringen als Gründungsmitglieder.[1]
Wie das Hamburger Echo weiter meldet, bekundeten auch die Arbeiter-Sängerbünde Belgiens, Dänemarks, Englands und Hollands ihre Sympathie für das Vorhaben.[1] Die Schweiz hat ihre Mitarbeit für das kommende Jahr in Aussicht gestellt.[1] Nach einem Vortrag von Dr. Guttmann aus Berlin zu den geplanten Aufgaben wurde der Entwurf eines Statutes beraten und angenommen.[1] Demnach kann jeder nationale Verband Mitglied werden, der den Arbeitergesang im Sinne der sozialistischen Kulturbewegung pflegt.[1]
Aufgrund der Größe der deutschen Bewegung wurde Deutschland als Sitz der Internationale und des Sekretariates bestimmt. Die Geschäfte werden vorläufig vom Vorstand des deutschen Bundes geführt.[1] Als Beitrag wurden zwei Pfennig pro Mitglied und Jahr festgelegt.[1] Außerdem sollen eine technische und eine künstlerische Kommission gebildet werden, die beide ihren Sitz in Berlin haben.[1] Die vornehmste Aufgabe der neuen Organisation wird die Herausgabe gemeinsamer Kampflieder und Lieder mit gesellschaftlicher Tendenz in den Sprachen aller Mitgliedsländer sein.[1]