Die Sowjetregierung verfolgt mit dem Ausbau ihrer Roten Armee ein zweifaches Ziel: die umfassende militärische Ertüchtigung der Bevölkerung und die Formung der Armee zu einem schlagkräftigen politischen Instrument.[1] Die Soldaten sollen nach ihrem Dienst zu festen Stützen des Regimes in Stadt und Dorf werden.[1] Diesem Zweck dient eine tiefgreifende Reorganisation der Wehrpflicht und der Ausbildung.

Die eigentliche Wehrpflicht beginnt nun mit dem neunzehnten Lebensjahr und umfasst eine zweijährige militärische Heimausbildung.[1] Über das ganze Land sind sogenannte „Ausbildungspunkte“ verteilt, in denen die zukünftigen Rekruten bereits vor ihrem aktiven Dienst geschult werden.[1] Ergänzend wird schon in den Elementar- und Mittelschulen militärischer Unterricht erteilt.[1]

Mit dem Eintritt in die Kaserne beginnt für den jungen Soldaten eine intensive militärische und politische Ausbildung.[1] Eine zentrale Rolle spielt dabei die „Politische Verwaltung der Armee“, eine Abteilung des Obersten Kriegsrevolutionsrates. Ihr unterstehen alle politischen Kommissare.[1] Diese sind den Offizieren gleichgestellt und leiten die gesamte kulturelle und politische Bildung der Truppen.[1] Während sie früher vor allem die Offiziere der zaristischen Armee zu überwachen hatten, sind sie heute die politischen Lehrer und Agitatoren der Truppe.[1]

Auch die Frage des Offizierskorps wurde neu geregelt.[1] Das alte Misstrauen gegenüber den aus der zaristischen Armee übernommenen „Militärspezialisten“ scheint überwunden; die Zweiteilung in alte und neue, kommunistische Offiziere ist dem Vernehmen nach aufgehoben.[1] Besonderes Augenmerk wird auf die Ausbildung junger Kommandeure gelegt, sodass Korpskommandanten von fünfundzwanzig Jahren keine Seltenheit sind.[1] Absolventen von Hochschulen und Arbeiterfakultäten dienen nur ein Jahr, werden aber in dieser Zeit auf Militärschulen zu Reservekommandanten ausgebildet.[1]

Obwohl die zaristischen Rangabzeichen abgeschafft wurden, sind die Ränge an der Uniform wieder kenntlich gemacht — allerdings nicht durch Sterne, sondern durch metallene Rechtecke und Rhomben am Kragen.[1] Militärische Zeremonien, Paraden und Auszeichnungen wie der Orden des Roten Banners oder der goldene Ehrensäbel werden gezielt zur Hebung des Truppengeistes eingesetzt.[1] Nach Berichten der Neuen Freien Presse ist es der Sowjetregierung damit gelungen, die Wehrfähigkeit des Landes wieder vollständig herzustellen.[1]