Aus allen Teilen der Welt strömen in diesen Tagen katholische Pilger nach Chicago, um am 28. Internationalen Eucharistischen Kongress teilzunehmen, der am kommenden 20. Juni eröffnet wird.[1] Die Stadt am Michigansee rüstet sich für eine Veranstaltung von gewaltigen Ausmaßen, die als eine der größten religiösen Zusammenkünfte der Geschichte gilt. Den Berichten der Washington Times zufolge werden nicht weniger als 15 Kardinäle, 400 Bischöfe, 8.000 Priester, 13.000 Ordensschwestern und über 750.000 Laien erwartet.[1]

Die Vorbereitungen zur Aufnahme dieser Menschenmassen laufen auf Hochtouren. Eine Armee von Arbeitern errichtet an zahlreichen Plätzen 500 Altäre und zahlreiche Tribünen, die für die Andachten unter freiem Himmel dienen.[1] Für Sicherheit und Ordnung während der Festwoche sollen 10.000 zusätzliche Polizisten und 25.000 besondere Eisenbahnbedienstete sorgen.[1] Die Hauptveranstaltungsorte werden mit einem bisher kaum gesehenen Pomp ausgestattet. Nach Angaben des Evening Star wird die Kathedrale zum Heiligen Namen, wo der päpstliche Legat, Kardinal Giovanni Bonzano, den Kongress feierlich eröffnen wird, von einem vierzig Fuß hohen Baldachin aus Kardinalsrot und päpstlichem Samt überspannt.[2] Der Thron des Legaten wird rechts des Altars stehen, gegenüber den ebenso prachtvoll dekorierten Thronen der weiteren anwesenden Kirchenfürsten.[2]

Ein besonders eindrucksvolles Bild bietet das städtische Stadion am Seeufer, das annähernd 200.000 Gläubigen Platz gewährt.[2] Dort wurde ein Altar errichtet, der dem in Sankt Paul vor den Mauern in Rom nachempfunden ist, ihn jedoch in der Größe übertrifft.[2] Über dem Altar, der auf einer 35 Fuß hohen Plattform thront, erhebt sich ein 125 Fuß hoher Baldachin aus Gold und Grün; der Rahmen allein enthält zwölf Tonnen Stahl.[2] Eine verborgene Orgel begleitet den Gesang eines Chors von 60.000 Parochialschulkindern.[2] Auch das städtische Kolosseum wird zu einer riesigen Kathedrale umgestaltet, in der am Eröffnungstag einhundert heilige Messen gefeiert werden sollen.[2]

Während in Chicago die letzten Vorbereitungen getroffen werden, fand in New York bereits ein glanzvoller Empfang für die eintreffenden kirchlichen Würdenträger statt. Der päpstliche Legat, Kardinal Bonzano, wurde bei seiner Ankunft von einer großen Prozession begrüßt, die laut Schätzungen von über 300.000 Menschen verfolgt wurde.[1] In seiner Dankesrede, über die die Washington Post berichtet, bezeichnete Kardinal Bonzano den Kongress als ein Ereignis, das eine Epoche in der Religionsgeschichte Amerikas markiere.[3] Kardinal Hayes von New York begrüßte den Legaten als alten Freund und würdigte die Verdienste, die dieser dem Land während seiner Zeit als Apostolischer Delegat in Washington durch seine Weisheit erworben habe.[3]

Unter den bereits eingetroffenen Delegierten befindet sich auch der Primas von Deutschland, Michael Kardinal von Faulhaber, Erzbischof von München, der an Bord des Dampfers Albert Ballin in New York ankam.[1] Ebenfalls eingetroffen ist eine Delegation irischer Bischöfe unter Führung von Kardinal O'Donnell.[1] Aus China reiste Sir Joseph Lo Pa Hong an, der als reichster Mann des Landes gilt und für die Würdenträger eine Sammlung kostbarster, mit Gold, Perlen und Jade bestickter Messgewänder mitgebracht hat.[1]