Das Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft, das am gestrigen Sonntag im Frankfurter Stadion ausgetragen wurde, hat sich zu einem Ereignis von nationaler Tragweite entwickelt.[1] Die Begegnung zwischen der Spielvereinigung Fürth und dem Berliner Verein Hertha zog die Aufmerksamkeit von Millionen Deutschen auf sich. Sie offenbarte für hiesige Verhältnisse ein beispielloses öffentliches Interesse am Sport.[1]

Etwa 50.000 Zuschauer füllten die Ränge des Stadions bis auf den letzten Platz.[1] Tausende waren in Extrazügen aus Entfernungen von bis zu dreihundert Kilometern herbeigeeilt, um dem Kampf um den Titel beizuwohnen.[1] Wer keine Karte erlangen konnte, folgte dem Verlauf des Spiels zu Hunderttausenden am Radioapparat.[1] Dieses Massenaufgebot, das man hierzulande bisher nur aus Berichten über englische Fußballspiele kannte, scheint nun auch in Deutschland zur Regel zu werden.[1] Die großen Zeitungen reagierten auf die hohe Nachfrage mit Extraausgaben, die ganzseitige Spielberichte enthielten.[1]

Die Begeisterung erfasste das gesamte öffentliche Leben. Frankfurt war den ganzen Tag von den Farben der beiden Vereine geprägt, die an unzähligen Fähnchen zu sehen waren.[1] Der Wettstreit zwischen den Fürthern und den Berlinern ist dabei mehr als nur ein sportlicher Vergleich. Er ist Ausdruck einer neuen Volksbewegung. Manche Beobachter sehen diese Entwicklung mit Sorge, während die Mehrheit sie als positives Zeichen wachsender Lebensfreude wertet.[1] Am Abend war der Ausgang des Spiels in den Eisenbahnzügen und Gaststätten von Berlin bis München das beherrschende Gesprächsthema.[1]