Die politische Lage in China spitzt sich sowohl im Süden als auch im Norden des Landes in bedenklicher Weise zu. Während die Pekinger Regierung mit erheblichen Finanzschwierigkeiten zu kämpfen hat und sich den militärischen Operationen des Generals Wu Pei-fu (Wu Peifu) gegenübersieht, gärt es auch innerhalb der nationalen Bewegung in Kanton erheblich.[1]

Aus Kanton dringen Berichte über eine wachsende Opposition gegen General Tschiang Kai-schek (Chiang Kai-shek), den Führer der Kuomintang-Armee.[2] Nach Meldungen der China Mail wird ihm vorgeworfen, altgediente Parteifunktionäre aus Kanton und der Provinz Kwangtung systematisch aus ihren Ämtern zu verdrängen.[2] An ihre Stelle setze er Gefolgsleute aus seiner eigenen Heimatprovinz Tschekiang, was in Parteikreisen Unmut hervorruft.[2] Kritiker werfen dem General vor, eine persönliche Diktatur in Kwangtung anzustreben und so die Ziele der nationalen Bewegung zu gefährden.[2] Zu den verdrängten Persönlichkeiten zählen namhafte Führer wie General Hsü Schung-tschi (Xu Chongzhi), der sich nun in Frankreich aufhält, sowie die Herren Wang Tsing-wei und Wu Han-min.[2]

Die jüngste Resignation, welche diese Entwicklung unterstreicht, ist die des Herrn Tschen Kung-po, des Vorsitzenden der Abteilung für politische Schulung des Militärausschusses.[2] Sein Nachfolger stammt wie Tschiang aus Tschekiang.[2] Auch ein russischer Militärberater, der fast zwei Jahre bei der Luftwaffe in Kanton tätig war, hat nach unbestätigten Berichten seinen Posten niedergelegt und ist in seine Heimat zurückgekehrt.[2] Die finanzielle Not der Kantoner Regierung ist groß; kürzlich scheiterte der Versuch, eine Anleihe von 100.000 Dollar aus japanischen Quellen zu erhalten.[2]

Unterdessen verdichten sich die Anzeichen für einen bevorstehenden größeren Waffengang zwischen den Armeen des Nordens und des Südens. Dem Hong Kong Telegraph zufolge könnten die Feindseligkeiten zwischen den Generalen in der Provinz Hunan zu einem umfassenden Zusammenstoß führen.[3] An der Grenze zwischen den Provinzen Kiangsi und Kwangtung finden bereits umfangreiche Truppenbewegungen statt, es werden neue Soldaten rekrutiert.[3] Es wird berichtet, dass südliche Truppenverbände versuchen, die Revolutionsarmee der Kuomintang an der Grenze unter Druck zu setzen, um diese möglicherweise zu einem Grenzübertritt zu veranlassen.[3] Ein solcher Schritt könnte einen Anlass für eine allgemeine militärische Aktion der Yangtse-Provinzen gegen Kwangtung bieten.[3]