Die deutsche Zivilluftfahrt tritt in eine neue, entscheidende Phase. Nach der politischen Klärung durch das Luftfahrtabkommen, welches die Beschränkungen der Botschafterkonferenz aufhebt, vollziehen sich nun auch auf organisatorischem und technischem Gebiet Entwicklungen von weitreichender Bedeutung.[1]

In Berlin hat sich die Deutsche Lufthansa Aktiengesellschaft endgültig konstituiert.[2] In dem neuen Unternehmen sind die Interessen des Reiches, der Länder sowie sämtlicher regionaler deutscher Luftverkehrsgesellschaften zusammengefasst.[2] Das Gesamtkapital beläuft sich nach Angaben der *Badischen Presse* auf 25 Millionen Reichsmark.[2] An der Spitze des 64 Mitglieder zählenden Aufsichtsrates steht ein neunköpfiges Präsidium. Den Vorsitz führt der Direktor der Deutschen Bank, Dr. von Strauß, der bisher Vorsitzender der Aero-Lloyd AG war.[2] Zu seinem Stellvertreter wurde der vormalige Vorsitzende der Junkers-Luftverkehr AG, Generaldirektor Heck-Dessau, ernannt.[2] Dem Präsidium gehören ferner prominente Vertreter des öffentlichen Lebens an. Darunter sind die Oberbürgermeister Dr. Adenauer aus Köln und Dr. Landmann aus Frankfurt am Main.[2] Als Mitglieder des Vorstandes wurden die Herren Merkel, Wronsky und Milch, die bereits die vorläufige Geschäftsführung innehatten, in ihren Ämtern bestätigt.[2]

Unterdessen kommen aus Friedrichshafen Nachrichten, die auf einen bevorstehenden technischen Sprung im Luftschiffbau hindeuten. Wie das *Harburger Tageblatt* berichtet, machte Dr. Eckener nach seiner Rückkehr Mitteilungen über den Bau eines neuen Zeppelin-Luftschiffes, das die Baunummer L.Z. 127 tragen wird.[3] Nach der nun erfolgten Freigabe des deutschen Luftschiffbaues ist es der Werft möglich, die Konstruktion eines Schiffes in Angriff zu nehmen, das mit einem Rauminhalt von 105.000 Kubikmetern alle bisherigen Typen an Größe übertreffen wird. Der nach Amerika gelieferte Z.R. 3 (L.Z. 126) fasste lediglich 70.000 Kubikmeter.[3]

Die entscheidende Neuerung betrifft jedoch den Antrieb. Anstelle von Benzin soll ein neuartiges Gas als Brennstoff für die fünf Maybach-Motoren zu je 420 PS dienen.[3] Dem Chemiker Dr. Dürrpertz vom Luftschiffbau Zeppelin ist es gelungen, ein Gas zu entwickeln, das bei gleichem spezifischem Gewicht wie Luft eine höhere kalorische Leistung als Benzin aufweist.[3] Die Vorteile dieser Erfindung sind beträchtlich: Die Explosionsgefahr wird verringert. Da sich das Gesamtgewicht des Schiffes durch den Brennstoffverbrauch nicht mehr ändert, entfällt das bisher notwendige Ablassen von Wasserstoff.[3] Dies erhöht nicht nur die Betriebssicherheit, sondern erhält den statischen Gleichgewichtszustand und vergrößert somit Geschwindigkeit und Aktionsradius des Schiffes erheblich.[3] Mit einer Fertigstellung des L.Z. 127, das zunächst für Versuchszwecke im Hinblick auf transatlantische Linienflüge dienen soll, wird bis zum Herbst 1927 gerechnet.[3]