Unter dem Leitwort „Ein Volk, ein Reich“ fand am Montag in der Frankfurter Paulskirche eine große Kundgebung statt, die den Abschluss der Tagung des Österreichisch-Deutschen Volksbunds bildete.[1] Die Veranstaltung, die von zahlreichen Bürgern aller Stände besucht wurde, stand im Zeichen der Erinnerung an die Vorkämpfer für den deutsch-österreichischen Zusammenschluss im Revolutionsjahr 1848. Mit diesem Ort ist ihr Wirken untrennbar verbunden.[1] Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Für die Hundertschaften des Reichsbanners, die sich mit Fahnen und Musikkapellen vor dem Gebäude versammelt hatten, mussten daher eigene Ansprachen im Freien gehalten werden.[1]
Die Versammlung wurde von Reichstagspräsident Loebe geleitet, der in seiner Begrüßungsansprache die erschienenen Österreicher willkommen hieß.[1] Er bezeichnete diese als Männer, die zwar noch nicht staatlich gewählte Vertreter seien, aber doch im Auftrag ihrer Volksgenossen sprächen.[1] Besondere Begeisterung riefen die Ausführungen des Wiener Generaldirektors Dr. Neubacher hervor, des Vorsitzenden des Volksbunds in Österreich.[1] Nach Berichten der *Kölnischen Zeitung* zeichnete Neubacher den aus der Geschichte vorgezeichneten Weg zum Reich nach. Er erklärte, für ein Land, das seine Aufgabe erfüllt habe — womit er unzweifelhaft auf Österreich anspielte —, gebe es nur den einen Weg zurück in die Heimat.[1]
Für das österreichische Landvolk sprach Nationalrat Gasselich, der ebenfalls den Willen seines Volkes zur Rückkehr in die gemeinsame Heimat betonte.[1] Der Glaube an eine höhere Gerechtigkeit, so führte er aus, verleihe die nötige Kraft, um das angestrebte Ziel der Vereinigung zu erreichen.[1] Im Namen der deutschen Parteien ergriffen Frau Rosa Kämpf für die Demokraten und Senatspräsident Heldmann für die Deutschnationalen das Wort.[1] Der sozialdemokratische Abgeordnete Schöpflin jedoch entfernte sich mit seinen Bemerkungen von dem parteiübergreifenden Geist, der einer solchen Veranstaltung angemessen gewesen wäre.[1] Mit großem Beifall wurde der österreichische Universitätsprofessor Eibl aufgenommen, der auf die geistigen und seelischen Werte verwies, welche Österreich in eine Vereinigung einbringen werde.[1] Die Feier endete mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes.[1]