Nur wenige Wochen nach dem Umsturz, der die parlamentarische Republik in Portugal beendete, ist das Land erneut Schauplatz eines Staatsstreiches geworden. General Gomes da Costa, der militärische Führer der nationalen Bewegung und bisherige Kriegsminister, hat den von ihm selbst eingesetzten Ministerpräsidenten, Kommandant Cabeçadas, wieder abgesetzt. Nun hat er die Macht vollständig an sich gerissen.[1][2]

Am gestrigen Abend erteilte General da Costa den Befehl an revolutionäre Truppenteile, alle strategisch wichtigen Punkte in der Hauptstadt zu besetzen.[3][4] Kurz darauf marschierten seine Soldaten in Lissabon ein und übernahmen die Kontrolle über die Ministerien.[1][5] Infolge dieser Entwicklung trat Ministerpräsident Cabeçadas von seinem Amt zurück, nachdem ihn da Costa in einem Schreiben zur Demission aufgefordert hatte.[4][5] Der General kündigte an, dass er selbst die Führung des Kabinetts und zugleich das Innenministerium übernehmen werde.[5] Über das gesamte Land wurde der Belagerungszustand verhängt.[1]

Die Machtübernahme vollzog sich ohne Blutvergießen. In Lissabon herrscht nach allen vorliegenden Berichten Ruhe.[1][4] Dennoch ist die Bevölkerung laut Meldungen aus Paris beunruhigt und befürchtet neue Schwierigkeiten.[5] General da Costa verfügt über die uneingeschränkte Unterstützung des Heeres und ist damit augenblicklich der Alleinherrscher in Portugal.[1]

In einer Erklärung begründete der General sein Vorgehen mit der Unfähigkeit der Regierung Cabeçadas, die notwendigen Reformen durchzuführen. Der Ministerpräsident sei nicht stark genug gewesen, sich vom Einfluss der Berufspolitiker zu befreien und der um sich greifenden Bestechungswirtschaft ein Ende zu bereiten.[1] Laut der spanischen Zeitung *El Sol* warf da Costa dem gestürzten Kabinett vor, ein vollständiges Unverständnis für die großen Probleme des Landes gezeigt zu haben.[4] Zudem sollen die bisherigen Regierungsmaßnahmen ausschließlich Partikular- und Klasseninteressen gedient haben.[4]

General da Costa hat die Bildung einer neuen Regierung in Angriff genommen. Die Beamten im Amt des Ministerpräsidenten wurden um ihre Mithilfe ersucht.[3][2] Dem Vernehmen nach soll ein Triumvirat, bestehend aus dem Finanz-, dem Innen- und dem Außenminister, die Regierungsgeschäfte leiten.[1] Das Amt des Innenministers übernahm Major Filomeno da Câmara, während der bisherige Finanzminister durch einen General ersetzt wurde.[1] Trotz des militärischen Charakters der neuen Führung betonte General da Costa, dass die gegenwärtige Bewegung rein republikanisch sei.[1]