In dem seit nunmehr einem Jahr andauernden deutsch-polnischen Zollkrieg scheinen sich neue Entwicklungen anzubahnen. Aus Warschau sind Äußerungen des neuen Ministers für Industrie und Handel, Eugeniusz Kwiatkowski, zu vernehmen, die auf eine Abkehr von der bisherigen konfrontativen Wirtschaftspolitik hindeuten. Bei den laufenden Wirtschaftsverhandlungen in Berlin wird dieser Kurswechsel mit zurückhaltender Erwartung aufgenommen.[1]

Dem Pariser Blatt *Le Temps* zufolge erklärte Minister Kwiatkowski auf einer Pressekonferenz in Warschau, dass die polnische Regierung keine Verlängerung des Zollkrieges mit Deutschland wünsche.[2] Man strebe vielmehr eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit allen Nationen an.[2] Der Minister bekannte sich persönlich zum grundsätzlichen Widerspruch gegen willkürliche Schutzzölle. Er betonte jedoch, dass eine Regulierung der Einfuhren vorläufig beibehalten werden müsse.[2] Als vorrangige Ziele seiner Politik nannte er die Förderung der Landwirtschaft und der Bergbauindustrie.[2] Die finnische Zeitung *Helsingin Sanomat* bestätigt die Absicht des Ministers, den Wirtschaftskonflikt beenden zu wollen.[3]

In politischen Kreisen Berlins führt man diese neue Haltung auf die immensen wirtschaftlichen Schäden zurück, die der Zollkrieg in Polen selbst verursacht hat.[1] Die *Sächsische Staatszeitung* berichtet, dass die polnische Seite sich bei den Verhandlungen gezwungen sieht, diese negativen Auswirkungen zuzugestehen.[1] In Deutschland äußert man die Hoffnung, dass die gegen die deutschen Waren gerichtete Zollpolitik, welche den Fortgang der Gespräche weiterhin erschwert, nun aufgegeben wird.[1] Es wird bestätigt, dass die polnische Handelsdelegation sich bemüht, das Zustandekommen eines Handelsvertrags mit Deutschland zu fördern.[1]