Der britische Schatzkanzler Winston Churchill hat am Sonnabend in einer Londoner Rede eine nachdrückliche Warnung an alle britischen Geschäftsleute und Finanziers gerichtet, die Sowjetrussland Kredite gewähren.[1][2][3] Wie aus übereinstimmenden Berichten hervorgeht, erklärte Churchill, dass die britische Regierung unter keinen Umständen eine Verantwortung oder Haftung für Verluste übernehmen werde, falls private Kreditgeber von den Sowjets um ihr Geld gebracht werden sollten.[2][4] Er riet Händlern eindringlich, vor der Versendung von Waren nach Russland entweder die vollständige Bezahlung oder eine umfassende Sicherheit zu verlangen.[1][5][6]
Die finanziellen Warnungen waren in eine generelle scharfe Kritik an der Politik Moskaus eingebettet. Laut Churchill begeht die Sowjetregierung den Fehler, zu glauben, sie könne mit denselben Methoden der Propaganda, mit der sie ihre eigenen Bauern getäuscht hat, auch in Großbritannien erfolgreich sein.[1][5][7] Dem Pariser Temps zufolge bezeichnete Churchill die Bolschewiki als „Unheilstifter“, die ihr eigenes Land ruiniert hätten und nun versuchen würden, auch Großbritannien zugrunde zu richten.[4] Die Geldspenden, die Moskau an die streikenden britischen Bergarbeiter sende, seien eine unbedeutende Summe im Vergleich zu den Beträgen, die Russland von Großbritannien gestohlen habe.[6][7] Churchill lobte hingegen die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Russland als angemessen. Amerika habe, ohne die bolschewistischen Prinzipien zu billigen, einen größeren Handel mit Russland getrieben als Großbritannien.[1][5]
Die gegenwärtigen Beziehungen zwischen beiden Ländern seien schwierig und würden von der Regierung aufmerksam überwacht.[2][4] Der Schatzkanzler fügte hinzu, dass er persönlich den Tag herbeisehne, an dem es in Russland entweder eine zivilisierte Regierung gebe. Andernfalls, so Churchill weiter, müsse Großbritannien seine nur zum Schein freundschaftlichen Beziehungen zu jenen Männern abbrechen, die den Umsturz in England anstrebten.[6][7] Sollte die Regierung es für notwendig erachten, die diplomatischen und kommerziellen Vertreter der Sowjets auszuweisen, werde das Schatzamt keinerlei Entschädigungsforderungen von geschädigten Unternehmen berücksichtigen, wie der Temps weiter meldet.[4]
Unterstützung erhielt Churchill von Lord Birkenhead, dem Staatssekretär für Indien. Dieser erklärte in einer Rede in Luton, niemand lasse sich von den Beteuerungen Moskaus täuschen, dass die Sowjetregierung nicht hinter den Geldsendungen an die Bergarbeiter stehe.[1][5] Sollten sich keine Anzeichen für eine Änderung der Moskauer Politik zeigen, müsse man entscheiden, ob es überhaupt ratsam sei, irgendeine Form der Verbindung mit einem Land aufrechtzuerhalten, dessen erklärtes Ziel es sei, die historische Größe Großbritanniens zu untergraben.[1][7]