Die nationalpolnische Politik in Ostoberschlesien scheint zu neuen Methoden überzugehen, um die deutsche Minderheit zu bedrängen.[1] Nachdem Versuche, den Deutschen Volksbund und die deutsche Presse durch Prozesse zu schwächen, keinen Erfolg zeigten, richtet sich der Druck nun unmittelbar gegen Arbeiterfamilien.[1] Dem Vorwärts zufolge sind in den vergangenen Tagen zahlreiche Arbeiter in staatlichen, halbstaatlichen und kommunalen Betrieben entlassen worden.[1] Der einzige Grund für diese Maßregelung soll darin bestehen, dass die Betroffenen ihre Kinder bei den deutschen Minderheitsschulen angemeldet haben.[1]

Besonders hervorgetan hat sich bei diesen Maßnahmen die Skarboform-Gesellschaft.[1] Im Aufsichtsrat des Unternehmens übt Korfanty, trotz eines anderslautenden Beschlusses der Warschauer Regierung, nach wie vor den entscheidenden Einfluss aus. Auch französische Nationalisten sind an der Gesellschaft beteiligt.[1] Da diese Entlassungen eine Beeinträchtigung der völkerrechtlich gesicherten Minderheitenrechte darstellen, wird sich die zuständige Kommission des Völkerbundes unter dem Vorsitz des Schweizers Calonder voraussichtlich mit der Angelegenheit befassen müssen.[1] Eine Abschwächung des antideutschen Kurses unter dem neuen Kabinett Bartel ist bislang nicht zu erkennen; dies steht im Zusammenhang mit der jüngsten Rechtswendung der Regierung in Warschau.[1]