Der namhafte britische Nationalökonom Professor Keynes hielt in der Berliner Universität einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über „Das Ende des Laissez-faire“.[1] Er legte seine Ideen zur Verbindung von Privat- und Gemeinwirtschaft dar und unterzog die klassischen Lehren einer scharfen Kritik.[1] Keynes zeichnete zunächst den starken Einfluss des Individualismus und der Nationalökonomie seit Adam Smith nach.[1] Dessen Lehre, dass das Allgemeinwohl sich aus dem natürlichen Streben des Einzelnen nach Verbesserung seiner Verhältnisse ergebe, habe das Prinzip des Laissez-faire begründet.[1]
Diese Auffassung, so führte Keynes weiter aus, habe ihre Wirksamkeit jedoch verloren.[1] Es sei nicht wahr, dass jedes Individuum eine natürliche Freiheit seiner wirtschaftlichen Tätigkeit besitze oder dass aufgeklärter Egoismus stets zum allgemeinen Besten wirke.[1] Nach Angaben der Kölnischen Zeitung betonte Keynes, dass die ideale Größe für wirtschaftliche Organisationseinheiten irgendwo zwischen dem Individuum und dem modernen Staat liege.[1] Der Fortschritt sei vielmehr in der Entwicklung halbautonomer Körperschaften im Rahmen des Staates zu suchen, wie es etwa Universitäten oder die Bank von England darstellten.[1] Große Aktiengesellschaften neigen ohnehin dazu, im Laufe der Zeit eine gewisse Eigenständigkeit innerhalb des Wirtschaftssystems zu entwickeln.[1]
Um den größten wirtschaftlichen Übeln — Risiko, Unsicherheit und Unwissenheit — zu begegnen, schlug Keynes konkrete Maßnahmen vor.[1] Dazu zähle erstens die Kontrolle der Währungs- und Kreditfragen durch eine zentrale Einrichtung.[1] Zweitens sei eine öffentliche Beaufsichtigung der Ersparnisse und Kapitalanlagen notwendig und drittens eine bewusste Politik hinsichtlich der Bevölkerungszahl.[1] Der doktrinäre Staatssozialismus sei hierfür keine Lösung, da er ein veraltetes Konzept darstelle, das die aktuellen Ereignisse verkenne.[1] Keynes schloss mit der Feststellung, dass derzeit keine Partei die richtigen Ziele mit den richtigen Mitteln verfolge.[1] Er fasste die Lage mit den Worten zusammen: „Europa fehlen die Mittel und Amerika fehlt der Wille, den ersten Schritt zu tun.“[1]