Aus Madrid treffen Berichte über die Aufdeckung einer politischen Verschwörung ein, die zur Verhaftung einer Anzahl hochgestellter Zivil- und Militärpersonen geführt hat.[1] Die spanische Regierung hat die Vorgänge inzwischen bestätigt, bemüht sich jedoch, deren Bedeutung herabzuspielen. In einem an die Presseagentur United Press gerichteten Telegramm erklärte Ministerpräsident General Primo de Rivera, es sei eine Verschwörung gegen die Regierung, aber ausdrücklich nicht gegen die Monarchie, aufgedeckt worden.[2]

Die Zahl der Beteiligten sei gering. Nach Angaben des Ministerpräsidenten waren kaum ein Dutzend aktive Offiziere sowie einige syndikalistische Elemente in die Pläne verwickelt.[2] Ein ähnliches Telegramm richtete Primo de Rivera an die Londoner Morning Post, worin er die Bewegung als „geringfügig“ bezeichnete und betonte, sie sei von der Polizei rechtzeitig und ohne Gewaltanwendung unterdrückt worden.[3] Die öffentliche Meinung verurteile diesen Versuch, das nationale Leben zu stören, mit größtem Nachdruck, so der General weiter.[2][3] Die Regierung kündigte an, neben der gerichtlichen Verfolgung auch strengste disziplinarische Maßnahmen gegen die beteiligten Offiziere zu ergreifen und diese zu degradieren.[2]

Über die Identität der Verhafteten und die genauen Hintergründe des Umsturzversuches liegen unterschiedliche Meldungen vor. Dem Pariser Figaro zufolge befinden sich unter den Festgenommenen die früheren republikanischen Abgeordneten Marcelino Domingo und Barriobero.[4] Die Neue Freie Presse nennt ebenfalls Domingo sowie einen Oberst Saturio Garcia.[2] Besonders großes Aufsehen erregt die Nennung der Namen zweier prominenter Generale: des ehemaligen Kriegsministers Aguilera und des Generals Weyler, der erst vor kurzer Zeit zum Granden von Spanien ernannt worden war.[5][4] In Pariser politischen Kreisen wird die Nachricht von Weylers Beteiligung mit einiger Überraschung aufgenommen.[4]

Auch die politische Ausrichtung der Verschwörer wird unterschiedlich dargestellt. Während erste Berichte von einem Komplott liberaler Extremisten sprachen,[1] meldet der Westfälische Merkur unter Berufung auf Madrider Quellen, die Verschwörung habe sich gegen die Monarchie gerichtet und sei von Liberalen und Republikanern vorbereitet worden.[5] Die halbamtliche spanische Agentur Fabra verbreitete hingegen eine Darstellung, wonach die Bewegung nur von geringfügiger Bedeutung, im Wesentlichen kommunistisch eingestellt und bereits als gescheitert zu betrachten sei.[5] Trotz der beruhigenden Erklärungen der Regierung schien die Lage in den Garnisonen von Madrid, Barcelona und Valencia zeitweise angespannt zu sein.[2]

Für Verwirrung sorgen zudem widersprüchliche Nachrichten über die bevorstehende Reise des spanischen Königs Alfons XIII. nach Paris. Während aus Madrid zunächst gemeldet wurde, der König und die Königin hätten ihre Reise infolge der Ereignisse vorläufig verschoben,[5] bestreitet der Figaro dies entschieden. Aus dem französischen Blatt geht hervor, dass der Monarch seinen Besuch nicht aufschieben werde und bereits am Abend des 25. Juni in Paris erwartet wird, um am Sonntag dem Großen Preis beizuwohnen.[4]