Die diesjährige Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, die am Sonntag in Köln ihre Beratungen aufnahm, steht im Zeichen ernster wirtschaftlicher Sorgen und dringender rechtspolitischer Fragen.[1] Der Vorsitzende des Vereins, Kommerzienrat Dr. H. Krumbhaar-Liegnitz, eröffnete die Tagung im Beisein zahlreicher Ehrengäste aus Politik und Gesellschaft, darunter Ministerialdirektor Dr. Kiep als Vertreter der Reichsregierung.[2] In seiner Ansprache betonte Krumbhaar, dass die Wahl der jüngst befreiten Stadt Köln als Tagungsort eine „heilige Pflicht“ sei, um die Verbundenheit mit der Presse im Rheinland und in Westfalen zum Ausdruck zu bringen.[2]

Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand die wirtschaftliche Lage der deutschen Zeitungen, die Kommerzienrat Krumbhaar in düsteren Farben schilderte.[1] Die Verschlechterung der Konjunktur habe auch die Presseunternehmen schwer in Mitleidenschaft gezogen.[1] Er mahnte die Verlegerschaft, dass man noch sehr harten und entbehrungsreichen Jahren entgegengehe. Deshalb sei es notwendig, streng zu sparen und genau zu rechnen.[1] Für Experimente oder kostspielige Erweiterungen bestehe unter den gegenwärtigen Umständen keine Möglichkeit mehr.[1] Dr. Garbe aus Berlin sprach über die Folgen der Kartellpolitik auf dem Papiermarkt und forderte einen Abbau der Papierzölle. Herr Dierichs aus Bochum gab einen Überblick über den Zustand des Anzeigenwesens.[3]

Ein weiteres beherrschendes Thema war die notwendige Neugestaltung des Presserechts. Der erste stellvertretende Vorsitzende, Professor Julius Ferdinand Wolff aus Dresden, legte in einem ausführlichen Vortrag dar, dass das Reichspressegesetz von 1874 den heutigen Verhältnissen nicht mehr genüge.[1] Insbesondere die Frage der Verantwortlichkeit — sowohl rechtlich als auch moralisch — müsse neu geregelt werden. So könne dem Missbrauch der Pressefreiheit durch unseriöse Blätter und der zunehmenden Einflussnahme von außen wirksam begegnet werden.[3][1]

Die Tagung zeigte auch das Bestreben, die internationalen Beziehungen wieder aufzunehmen. Der Vorsitzende der niederländischen Verlegervereinigung, Chr. A. Viemeg, überbrachte Grüße und begrüßte den Versuch, die Verbindungen zur Presse stammes- und kulturnaher Länder zu erneuern.[4] Auch der Präsident des schweizerischen Zeitungsverleger-Vereins, Dr. Haeber, war zugegen.[4] Zu der Versammlung ist eine Festschrift erschienen, für die der Reichspräsident ein Geleitwort über die Notwendigkeit der sittlichen und wirtschaftlichen Erneuerung verfasst hat.[4]

Im Rahmen eines Festessens im Gürzenich sprach der Kölner Oberbürgermeister Dr. Adenauer zu den Verlegern. Er hob hervor, dass der deutsche Verleger in seiner Zeitung nicht nur das Geschäft sehe, sondern sich auch von ethischen Gesichtspunkten leiten lasse, was dem deutschen Volk und dem Vaterland zugutekomme.[3] Für die nächste Hauptversammlung des Vereins wurde einstimmig Dresden als Tagungsort bestimmt.[3]