Nach monatelangen, schwierigen Verhandlungen ist eine grundsätzliche Einigung über die Finanzierung der mit öffentlicher Bürgschaft garantierten Industrielieferungen nach Sowjetrussland erzielt worden.[1] Die seit Monaten schwebenden Gespräche zwischen einem Bankenkonsortium unter Führung der Deutschen Bank und der Regierung der Sowjetunion haben unter Vermittlung des Reichswirtschaftsministers einen Abschluss gefunden. Damit soll der Weg für deutsche Exporte geebnet werden.[1]

Im Kern des Kompromisses steht die Einigung über die künftig zu berechnenden Sätze für die Wechsel.[1] Danach wird der jeweilige Reichsbanksatz zuzüglich 1 Prozent Zinsen und einer Provision von 1,9 Prozent gelten. Dies entspricht zurzeit einem Gesamtsatz von 9,4 Prozent.[2][1] Wie die *Neue Freie Presse* berichtet, bedeutet dies eine wesentliche Annäherung an den Standpunkt der Sowjetregierung. Die Banken hatten ursprünglich auf einem höheren Satz bestanden.[3] Die Verhandlungen wurden durch die zweimalige Herabsetzung des Diskontsatzes der Reichsbank auf nunmehr 6,5 Prozent deutlich erleichtert.[3]

Dem Bankenkonsortium, dem laut der *Kölnischen Zeitung* alle Berliner Großbanken mit Ausnahme der Handelsgesellschaft angehören, werden zunächst 120 bis 150 Millionen Mark für die Finanzierung zur Verfügung gestellt.[2][1] Die Beteiligten betreiben die Finanzierung weiterer Lieferungen im Rahmen des 300-Millionen-Programms weiterhin.[1] Für das Zustandekommen der Einigung war die Zusage der deutschen Regierung maßgeblich. Sie gewährt dem Bankenkonsortium für einen Teil des Kredits eine Rediskontierungsmöglichkeit.[2][1] Die Banken können damit Wechsel bis zur Höhe der Reichsbürgschaft von 35 Prozent des Gesamtbetrags bei einer öffentlichen Kreditanstalt einreichen. Das stellt eine erhebliche Erleichterung dar.[2]

Die Einigung beendet eine Auseinandersetzung, die den Beginn der Lieferungen empfindlich verzögert hatte. Die *Kölnische Zeitung* beschreibt die Verhandlungen als ein „unerfreuliches Spiel“. Die sowjetische Seite habe durch Hinauszögern versucht, bessere Bedingungen zu erzwingen.[2] Die nun gefundene Lösung erfordert von der Industrie rasches Handeln. Die Abschlüsse müssen bis Ende 1926 getätigt werden, damit die Bürgschaft der öffentlichen Hand in Anspruch genommen werden kann.[2]

Nach Angaben des *Westfälischen Merkurs* soll die gesamte Abwicklung der Geschäfte über eine eigens zu diesem Zweck zu gründende Aktiengesellschaft erfolgen.[1] Die Transaktionen werden auf Dollarwährung lauten.[1] Aus Moskauer Wirtschaftskreisen verlautet, dass das erzielte Abkommen den Weg für eine weitgehende Erneuerung und den Ausbau der Sowjetindustrie bahne.[3]