Der als Schöpfer der Autosuggestion weltbekannt gewordene Apotheker Emil Coué ist, wie aus Paris gemeldet wird, am Freitag in seiner Wahlheimat Nancy im Alter von 69 Jahren gestorben.[1][2] Nach Angaben der amerikanischen Presse war die Todesursache eine allgemeine Erschöpfung infolge von Überarbeitung.[3][4] Coué hatte sich trotz seiner Krankheit nach diesen Berichten in den letzten Wochen kaum geschont. Bis zu vierzehn Stunden täglich widmete er sich seiner klinischen und vortragenden Tätigkeit.[3]

Emil Coué, der am 26. Februar 1857 in Troyes in bescheidenen Verhältnissen geboren wurde, studierte in Paris Pharmakologie und war bis 1910 als Apotheker tätig.[1] Seit Beginn des Jahrhunderts befasste er sich mit Hypnose und Suggestion. Daraus entwickelte er seine eigene psychotherapeutische Heilmethode.[1] Seine Lehre, die er selbst nie als wissenschaftlich bezeichnete, sondern als „Psychologie" target="_blank" rel="noopener">angewandte Psychologie“, beruhte auf dem Grundsatz, dass die Vorstellungskraft den Willen beherrsche.[3] Weltweite Berühmtheit erlangte er durch die einfache Formel „Von Tag zu Tag geht es mir in jeder Beziehung besser und besser“, welche seine Anhänger täglich wiederholen sollten.[1][2]

Coué verstand seine Methode nicht als Ersatz, sondern als Unterstützung der ärztlichen Behandlung.[2] Seine außerordentliche Popularität, die ihm auch Vortragsreisen nach Amerika ermöglichte, beruhte nicht zuletzt auf seiner menschenfreundlichen Haltung.[3][4] Dem *Vorwärts* zufolge behandelte er bedürftige Patienten unentgeltlich. Dies trug wesentlich zu seinem einwandfreien Ruf bei.[2] Die *Deutsche Allgemeine Zeitung* hebt hervor, dass Coué, obwohl er nie Arzt war, von der Fachwelt nicht als Kurpfuscher angesehen wurde. Seine Tätigkeit übte er mit aufrichtiger Hingabe aus.[1]