Nach dem Sitzungsende des amerikanischen Senats vergangenen Samstag ist die Frage, welche Absicht hinter dem Einmann-Filibuster des republikanischen Senators Ralph H. Cameron aus Arizona steckte, zum Gesprächsthema der Washingtoner Politikerkreise geworden. Demokratische Fraktionsführer und republikanische Abweichler behaupten, die Antwort liege auf der Hand: Cameron habe, stellvertretend für mehrere Senatskollegen, verhindern wollen, dass die Wahlkampfausgaben der Republikaner für die Herbstwahlen gesetzlich beschränkt werden.[1]
Vor Camerons Obstruktion stand eine Abstimmung über eine Resolution unmittelbar bevor, die die Wahlkampfausgaben je Kandidat auf 25.000 Dollar begrenzt hätte — zuzüglich bestimmter weiterer Unterstützungsformen. Wäre es zur Abstimmung gekommen, so die Einschätzung in Washington, hätte die Resolution eine Mehrheit gefunden. Entweder hätte die sogenannte Neely-Resolution oder die La-Follette-Resolution oder ein aus dem Regelausschuss hervorgegangener Kompromiss die nötige Unterstützung erhalten. Cameron selbst kandidiert im Herbst für einen weiteren Senatssitz auf republikanischem Ticket.[1]
Die Demokraten erklären, ihnen sei weniger an Arizona gelegen als an der Begrenzung der Ausgaben in Staaten wie Illinois, Missouri, Maryland und Massachusetts, wo der Vorsitzende des republikanischen Nationalkomitees, William M. Butler, seinen Senatssitz gegen den Herausforderer David I. Walsh verteidigen muss.[1]
Unterdessen nimmt der Senatsausschuss zur Untersuchung der Wahlkampffonds seine Arbeit bereits an diesem Dienstag wieder auf. Nach Berichten der Washington Post soll zunächst die Pennsylvania-Vorwahl erneut untersucht werden; später sind Erhebungen in Illinois und weiteren westlichen Bundesstaaten geplant.[1] Als erster Zeuge soll William H. Stayton, der nationale Vorsitzende der Vereinigung gegen den Prohibitionszusatz, dem Ausschuss erneut Rede und Antwort stehen.[1]
In der Sache selbst hat Wayne B. Wheeler, der Generalbevollmächtigte der Antialkohol-Liga, dem Ausschuss umfangreiches Belastungsmaterial übergeben. Wheeler behauptete darin, die Gegner der Prohibition strebten einen Gesamtfonds von 600.000 Dollar an: ein Jahreseinkommen von 300.000 Dollar sowie zusätzlich je 1.500 Dollar für 200 Wahlkreise. Dieses Geld solle für politische Kampagnen verwendet werden, die sich keineswegs auf Pennsylvania beschränkten, sondern Vorwahlen wie allgemeine Wahlen im ganzen Land beträfen.[1]
Gegen den Ausschussvorsitzenden, Senator James A. Reed aus Missouri, ist unterdessen ein offener Gegenangriff gestartet worden. Der Abgeordnete William D. Upshaw aus Georgia erklärte in Atlanta, Reed sei der Letzte, der gegen andere Kongressmitglieder den Finger erheben dürfe. Upshaw behauptete, ihm liege ein Telegramm aus Boston vor, wonach Reed als amtierender Senator ein Anwaltshonorar von 25.000 Dollar für die Verteidigung eines berüchtigten Amtsträgers kassiert habe. Namen und Einzelheiten wolle er zu gegebener Zeit nennen.[1]