Die mexikanische Regierung hat am gestrigen Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten — ein symbolisch aufgeladenes Datum — ein umfassendes Pressedekret erlassen, das die konfessionelle und religiöse Presse des Landes in ihrer Meinungsfreiheit empfindlich beschneidet.[1] Das Dekret umfasst 36 Artikel und bestätigt zwar dem Wortlaut nach die Unverletzlichkeit der Pressefreiheit, entzieht ihr jedoch für kirchliche Blätter in der Praxis jeden Gehalt.[1]

Der entscheidende Artikel 13 ist unmittelbar aus der mexikanischen Verfassung übernommen worden. Er untersagt allen religiösen Periodika sowie Publikationen mit konfessioneller Ausrichtung ausdrücklich, über politische oder nationale Angelegenheiten zu berichten, Handlungen staatlicher Behörden zu kommentieren oder Informationen über Personen zu verbreiten, die mit dem öffentlichen Institutionenleben in Verbindung stehen.[1]

Die Washington Post urteilt, die mexikanischen Katholiken seien damit in ihrer Gesamtheit politisch entmachtet: ohne die Möglichkeit, sich über die Presse zu organisieren oder öffentlich Stellung zu nehmen, fehle ihnen jedes Mittel, als politischer Faktor in Erscheinung zu treten.[1] Das Dekret trifft mithin nicht nur die periodische Kirchenpresse, sondern entzieht der katholischen Bevölkerung des Landes — die die große Mehrheit der Mexikaner stellt — jeden institutionellen Rückhalt im öffentlichen Meinungsstreit.