Am Montag wurde in der Königsberger Stadthalle die 16. Mitgliederversammlung des Reichsstädtebundes feierlich eröffnet. In Gegenwart von Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden, des Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen sowie zahlreicher Parlamentarier übernahm der Vorsitzende des Bundes, Oberbürgermeister Dr. Belian-Eilenburg, die Eröffnung der Tagung, zu der rund 900 Mitglieder erschienen waren.[1][2]

Dr. Belian betonte einleitend, dass die Wahl des Tagungsortes einem bewussten politischen Bekenntnis entspreche. Der durch den Korridor vom deutschen Mutterland abgetrennten Provinz Ostpreußen solle zum Ausdruck gebracht werden, dass keine Macht der Welt die Deutschen von dem Land zu trennen vermöge, das durch deutsche Arbeit der deutschen Kultur erschlossen worden sei.[1] Die Tagung hatte sich bereits am Vorabend mit einem Festakt im Großen Remter des Marienburger Ordensschlosses eingeleitet, wo Oberbaurat Dr. Schmid auf die geschichtliche Bedeutung des Ordensbaus hinwies und Bürgermeister Ewert die Teilnehmer namens der Stadt Marienburg begrüßte.[2]

Als sachliche Kernaufgabe der Königsberger Tagung bezeichnete Dr. Belian die Suche nach Wegen aus der schweren Not der deutschen Gemeinden. Die Fragen der Verwaltungsreform, des Finanzausgleichs, des Schulwesens sowie des Wohnungs- und Siedlungswesens seien dringend lösungsbedürftig. Dabei zeigte sich der Vorsitzende in der Frage der Verwaltungsreform wenig optimistisch: Die bisherigen Beratungen seien ergebnislos geblieben, und der Reichsstädtebund wünsche, dass die Reform des Steinschen Werkes einer Zeit überlassen bleibe, die dazu befähigter sei als die gegenwärtige.[1] Auch beim Lastenausgleich müsse immer wieder festgestellt werden, dass die Steuerdecke für Reich, Länder und Gemeinden noch nicht richtig hergestellt sei.[1]

Die Versammlung, der dem Bericht der Badischen Presse zufolge 1331 kleine und mittlere deutsche Städte angehören, sandte an Reichspräsident von Hindenburg ein Huldigungstelegramm. Darin heißt es, die Mitglieder gedächten „auf dem Boden der deutschen Ostmark dankbar ihres Befreiers aus Russengefahr" und gelobten unermüdliche Arbeit für den wirtschaftlichen und kulturellen Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes.[1][2] Kommunistische Vertreter versuchten laut Harburger Tageblatt durch Anträge zur Geschäftsordnung in die Verhandlungen einzugreifen, scheiterten jedoch mangels der erforderlichen Unterschriftenzahl.[2]