Der polnische Gesandte in Berlin, Olszewski, hat im Auftrage seiner Regierung dem deutschen Außenminister Stresemann eine scharfe Note überreicht, die sich gegen angebliche Massenausweisungen polnischer Arbeiter aus Deutschland richtet. Wie das Berliner Tageblatt aus Warschau berichtet, habe Olszewski bei der Übergabe des Schreibens erklärt, dass der polnische Staat im Falle der Durchführung solcher Absichten genötigt sein werde, energische Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen.[1] Die deutsche Regierung hat auf diese Note bisher keine Antwort erteilt.[1][2]
Ein Warschauer Blatt fügte, dem Berliner Tageblatt zufolge, hinzu, dass auf deutscher Seite die Neigung bestehe, die polnische Wachsamkeit zu unterschätzen; Polen jedoch werde darüber wachen, dass den polnischen Arbeitern in Deutschland kein Unrecht geschehe.[1]
Aus Berliner Zeitungskreisen wird demgegenüber darauf hingewiesen, dass von einer geplanten Ausweisung polnischer Arbeiter keine Rede sein könne. Es handele sich lediglich um einen Beschluss des volkswirtschaftlichen Ausschusses des Reichstags, nach dem im Interesse der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit dafür gesorgt werden solle, dass kein widerrechtliches Verbleiben polnischer Landarbeiter über die Saison hinaus stattfinde. In den Rechten, auf die sie Anspruch hätten, sollten die polnischen Arbeiter nicht beschränkt werden.[1]
Unterdessen haben den Morgenblättern zufolge am Montag in Bad Nauheim Verhandlungen zwischen Vertretern der deutschen und der polnischen Regierung begonnen. Diese haben eine Reihe von Sachfragen zur Regelung des zwischenstaatlichen Verkehrs zum Gegenstand. Es geht dabei vor allem um Fragen der Gerichtshilfe und der Standesamtsregister. Die Verhandlungen werden voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nehmen.[2]