Die Delegiertenversammlung der Union Populaire Républicaine Nationale Alsacienne (UPRNA) hat sich am vergangenen Sonntag in Straßburg nach sechsstündiger Beratung mit einer förmlichen Entschließung von den autonomistischen Bestrebungen des elsässischen Heimatbundes distanziert.[1][2] Die Resolution, die zuvor in einer Vorversammlung am 1. Juli in Colmar einstimmig angenommen worden war, stellt klar, dass die Partei sich ohne jeden Vorbehalt auf den Boden der nationalen Gemeinschaft stelle und jede Bestrebung entschieden ablehne, die die Souveränität des französischen Staates in der elsässischen Frage zu untergraben suche.[1]

Der Beschluss scheidet deutlich zwischen den regionalen Forderungen der Partei und dem Programm des Heimatbundes. Die Versammlung protestiere energisch gegen jede Gleichsetzung des Parteiprogramms mit dem des Heimatbundes, heißt es in dem Dokument, das nach Angaben des Temps von rund fünfzig Personen unterzeichnet wurde, darunter die Senatoren Bourgeois, Detsor, Gegauff und Helmer sowie die Abgeordneten Oberlurch und Pfleger.[1] Zugleich fordere die Resolution eine weitreichende Verwaltungsreform im Sinne einer Dezentralisierung — und zwar nicht allein für Elsass-Lothringen, sondern für ganz Frankreich.[3][1] Ferner verlangten die Unterzeichner den Erhalt des religiösen und schulischen Status quo, wie er beim Waffenstillstand gegolten habe, sowie die Achtung der überlieferten Rechte und Gebräuche des Landes.[1]

Die Partei spart jedoch nicht an Kritik gegenüber der Regierungspolitik. In einem zweiten Beschluss missbilligte der Kongress der Delegierten ausdrücklich die Maßnahmen der Regierung gegen die Unterzeichner des Heimatbund-Manifests. Laut dem Pariser Figaro heißt es darin, die betroffenen Personen seien größtenteils Opfer einer Lage, für die in erster Linie die Fehler der Regierungs- und Verwaltungspolitik verantwortlich seien.[3]

Die Sanktionen haben in den vergangenen Tagen bereits greifbare Folgen gezeitigt. Wie das Harburger Tageblatt berichtet, wurde der Bahnarzt Dr. Haag aus Groß-Blittersdorf, der das Manifest unterzeichnet hatte, von der Direktion der elsass-lothringischen Eisenbahnen seines Amtes enthoben.[2] Der Gemeinderat eines Ortes im Oberelsass protestierte gegen die Amtsenthebung seines Bürgermeisters Deichtmann, der das Manifest gleichfalls unterzeichnet hatte, und beschloss, seine Sitzungen bis zur Rückgängigmachung der Amtsenthebung zu vertagen.[2] Die Volkspartei des Kantons Hüningen ihrerseits erhebt in einer geharnischten Entschließung Einspruch gegen die als staatsgefährdend bezeichneten Tendenzen der Manifest-Unterzeichner.[2]

Die Lage im Elsass bleibt damit zwiespältig: Der frankophile Flügel der stärksten elsässischen Partei bekennt sich zwar zur französischen Nation, besteht aber darauf, dass nur eine grundlegende Reform der zentralistischen Staatsverfassung dem Autonomismus dauerhaft den Boden entziehen könne.[3][1]