Die Autonomiebewegung im Elsass-Lothringen beschäftigt gegenwärtig die französische Innenpolitik in zunehmendem Maße. Aus den Reihen der elsässischen Bevölkerung erheben sich seit Monaten Forderungen nach weitgehender regionaler Selbstverwaltung, die in Paris auf wachsendes Unbehagen stoßen. Den Berichten der deutschen Grenzpresse zufolge haben Vertreter der Autonomistenbewegung ihre Forderungen zuletzt in Eingaben an das Pariser Innenministerium bekräftigt.[1]

Die Spannungen entzünden sich vor allem an der Schulfrage sowie an der kirchlichen Gesetzgebung, da das Konkordat im Elsass nach wie vor Gültigkeit besitzt, während es im übrigen Frankreich seit der Trennung von Kirche und Staat nicht mehr angewandt wird. Dieser Sonderstand gilt den Autonomisten als schützenswert, den Zentralisten hingegen als zu beseitigender Anachronismus.[2]

Ein Ministeriumssprecher soll erklärt haben, die Regierung werde die besonderen Verhältnisse der wiedergewonnenen Provinz sorgfältig in Betracht ziehen. Auf konkrete Zusagen ließ er sich dabei nicht ein.