Die Mossulfrage, die seit Jahren die britisch-türkischen Beziehungen belastet hatte, ist durch den am 1. Juni unterzeichneten Vertrag formell beigelegt worden. Der Pariser Temps unterzieht dieses Abkommen einer eingehenden Würdigung, die zugleich als Analyse britischer Diplomatie gelten darf.[1]
Die Kapitulation Ankaras ist nach Einschätzung des Temps vollständig: Die Türkei verzichtet auf das Vilajet Mossul, erkennt die sogenannte Brüsseler Linie als Grenze an, garantiert deren Unverletzlichkeit und erklärt sich zur Zusammenarbeit mit den Grenzbehörden bereit. Zudem wird eine neutrale Zone geschaffen, und es werden Verbindungsorgane eingesetzt.[1] Als Gegenleistung erhält Ankara lediglich fünf Quadratkilometer Bergland sowie einen Anteil an den Erdölrenten, der gegen 12,5 Millionen Goldfranken ablösbar ist.[1]
Der Erfolg Londons hingegen ist, wie das Blatt ausführt, ein vollständiger: England sichert sich die Gebirgsmauer und behält die Erdölfelder, festigt das Ansehen im Irak und verringert die Kosten des Mandats — alles ohne militärische Mittel.[1]
Den Weg zu diesem Ergebnis beschreibt der Temps als Musterbeispiel diplomatischen Drucks. Die britische Seite habe der Türkei im rechten Augenblick die Furcht vor einer Bedrohung eingepflanzt: durch das Schüren kurdischer Unruhen, durch geschickt gestreute Nachrichten über griechische und italienische Truppenbewegungen sowie durch die gleichzeitige Annäherung an Rom. Angora habe schließlich Mossul preisgegeben, um Adalia zu behalten.[1]