Den ganzen Sonnabend über, vom frühen Morgen bis in die Abendstunden, trafen in Wien Sonderzug auf Sonderzug mit Angehörigen des deutschen Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold ein.[1] Außerdem brachte ein Donaudampfer am Abend 800 Reichsbannerkameraden von Passau auf dem Wasserweg in die österreichische Hauptstadt.[1] Bereits die Fahrt auf der Donau gestaltete sich, dem Berliner Tageblatt zufolge, zu einer herzlichen Kundgebung: Überall begrüßte die Bevölkerung entlang des Ufers den Dampfer mit schwarz-rot-goldenen Fahnen und lautem Zuruf, und im Wiener Vorort Nussdorf jubelten Tausende den Ankommenden zu.[2] Um sieben Uhr abends legte das Schiff an der Reichsbrücke an.[2]
An den Bahnhöfen — dem West- und dem Nordbahnhof — war jeweils eine große Menschenmenge zur Begrüßung erschienen.[1] Der Festausschuss des Arbeiter-Sportfestes und des Republikanischen Schutzbundes hatten bei jedem einfahrenden Zug Vertreter zum Empfang entsandt.[1] Musikkapellen, darunter die der Eisenbahner, geleiteten die Gäste in ihre Quartiere.[1] Immer wieder wurde auf die Gemeinsamkeit der Ziele beider Organisationen hingewiesen, und es wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass die Vereinigung Deutschlands und Österreichs bald kommen möge.[1]
Vorausgegangen war am Sonnabendvormittag eine Anschlussversammlung in der Volkshalle des Rathauses, veranstaltet vom sozialistischen Hochschulausschuss, an der ebenfalls Mitglieder des Reichsbanners teilnahmen.[2] Höldermann aus Magdeburg erinnerte daran, dass Arbeiter und Studenten gemeinsam für Schwarz-Rot-Gold gekämpft hätten.[2] Dr. Bärensprung, ebenfalls aus Magdeburg und Vorstandsmitglied des Reichsbanners, hob hervor, dass auch bürgerliche Demokraten für die Republik gefallen seien — er nannte Rathenau und Erzberger.[2]
Den Abschluss des Tages bildete eine eindrucksvolle internationale Kundgebung gegen den Faschismus in den Katharina-Sälen beim ehemaligen kaiserlichen Schloss Schönbrunn.[1] Neben den Reichsbannermitgliedern beteiligten sich Arbeiterabordnungen aus der Tschechoslowakei, der Schweiz, Ungarn und Lettland.[1] Dr. Deutsch begrüßte die Versammelten im Namen des Republikanischen Schutzbundes.[1] Holtermann aus Magdeburg versicherte für das Reichsbanner, dass die Republikaner aller Länder im Kampf gegen die Reaktion stets auf das Reichsbanner zählen könnten.[1] Bridoux überbrachte die Grüße der Luzerner Sport-Internationale und der belgischen Verbände; nach ihm sprachen noch Vertreter aus Südslawien und Ungarn.[1] Den Abschluss der Kundgebung bildete Dr. Otto Bauer mit einem ausführlichen Vortrag über die Bedeutung der Abwehrorganisation des Proletariats im Namen der Sozialistischen Internationale.[1]